PwC-Experte sieht Weg zu weltweit einheitlicher Bilanzierung gefährdet

14. August 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers7Burkhard Eckes, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), warnt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einem Ende des Konvergenzprozesses zwischen europäischen und amerikanischen Bilanzregeln.
„Der Weg zu einer weltweit einheitlichen Bilanzierungssprache könnte gefährdet sein.“ Zwar hätten US-GAAP und der europäische IFRS das Prinzip der Bewertung zum aktuellen Marktwert (Fair Value) gemeinsam, doch die US-Regeln ließen Verrechnungsmöglichkeiten bei Derivatpositionen zu. Die Standardsetzer IASB – verantwortlich für die IFRS – und das US-Pendant FASB würden bei der Überarbeitung der Bilanzregeln mittlerweile getrennte Wege gehen. Im Juli hatte der IASB sein erstes Teilkonzept für die Reform des Standards präsentiert – im Fokus dabei IAS 39. Dessen Zusammenwirken mit den Basel II-Eigenkapitalregeln wird als krisenverschärfend kritisiert.

Der in den US-GAAP verankerte Standard für Finanzinstrumente (FAS 157) werde derzeit zwar auch überarbeitet: „Den Entwurf will der FASB aber erst im Spätherbst vorlegen, dafür aber in Gänze“, so PwC-Experte Eckes. Seiner Ansicht nach besteht nun die Gefahr, dass die Überarbeitung der Bilanzierungsregeln für Banken mit unterschiedlichem Zeithorizont erfolge. Dies könne bedeuten, dass sich die Bilanzierungsregeln für europäische und amerikanische Banken am Ende noch weiter auseinanderentwickeln werden. Damit würde das Ziel eines international einheitlichen Regelwerks verfehlt. Die jüngst vorgelegten Pläne des IASB bewertet Eckes im Prinzip positiv, jedoch gebe es noch entscheidende Detailfragen zu klären.

„Der Inhalt der weiteren Teilkonzepte bleibt abzuwarten“, so die Aussage von Eckes zu den erwarteten IASB-Vorlagen. Sofern im neuen Konzept über Wertberichtigungen und Abschreibungen auf ein Modell erwarteter Verluste abgestellt wird, soll laut Eckes auf einen größtmöglichen Gleichklang mit den Eigenkapitalregeln nach Basel II geachtet werden. Diese basierten ebenfalls auf dem Ansatz erwarteter Verluste. „Unterschiedliche Beträge für Wertberichtigungen auf Basis gleicher Modellansätze sind dem Kapitalmarkt nur schwer zu vermitteln“, so abschließend die nachdenkliche Anmerkung des PwC-Experten.

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] auf dem Weg zu einer notwendigen, international einheitlichen Bilanzierung beschrieben hatte (vgl. RMRG vom 14.8.), tut sich nun zwischen Basel und dem IASB ein mögliches weiteres Konfliktfeld [...]