Neue MaRisk mit Fokus auf Stresstesting, Liquiditätsrisiko und Risikokonzentrationen

17. August 2009 | Von | Kategorie: Top News

risikomanagementDie von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Freitag veröffentlichte Neufassung der MaRisk steht im Mittelpunkt der Berichterstattung der Wirtschaftspresse.
Der Fokus liegt dabei in erster Linie auf den vorgeschriebenen Änderungen bei den Vergütungssystemen. Die entsprechende Kommentierung der führenden Publikationen ist dabei neutral bis positiv. „Aufseher gehen Boni und Risiken an“, überschreibt die Financial Times Deutschland ihren Beitrag und weist darauf hin, dass die Regeln auch weiter nur im Rahmen von routinemäßigen Prüfungen überwacht werden. „BaFin nimmt Risikomanagement ins Visier“, so das Fazit der Börsen-Zeitung, während das Handelsblatt in den Änderungen eine „simple, strenge Linie“ erkennt. Es sei nun jedoch entscheidend, dass die BaFin auch die Möglichkeit bekomme, die Grundsätze auch durchzusetzen „und vor allem bei Umgehungen einzuschreiten“. „Es ist fraglich, ob sie dazu gesetzlich genügend starke Befugnisse besitzt – und ohne explizite Befugnisse läuft im deutschen Rechtsstaat gar nichts“, so der Handelsblatt-Kommentar.

Die BaFin verschärft mit den reformierten MaRisk die Vorgaben zur Risikobewertung von Banken. Künftig müssen alle Institute Stresstests für ihre wesentlichen Risiken vornehmen. Dabei seien vor allem auch Risikokonzentrationen zu berücksichtigen, wobei der Schwerpunkt der Neuregelungen bei Adressen- und Sektorkonzentrationen, aber auch bei regionalen Konzentrationen im Kreditgeschäft liege. Ihre Liquiditätsrisiken müssen sie so überwachen, dass sie eine Finanzierungslücke rechtzeitig erkennen könnten. Die Neuregelung sieht zudem vor, dass Banken nicht mehr nur ihre Einzelinstitute gegen Risiken wappnen, sondern auch das Risiko für das gesamte Unternehmen im Auge haben. Damit Banken-Aufsichtsräte ihre Überwachungsfunktion besser ausüben können, sollen sie künftig das Recht haben, ohne den Umweg über die Geschäftsführung bei internen Prüfabteilungen Informationen einzuholen.

Die neuen MaRisk sehen zudem vor, dass Banker ihre Boni künftig teilweise oder ganz zurückzahlen müssen, wenn sie zu hohe Risiken eingehen. Sollte sich „im Nachhinein herausstellen, dass ein Geschäftsabschluss unter Risikogesichtspunkten nicht vertretbar ist, müssen die Verantwortlichen einen Teil oder sogar ihren gesamten Bonus zurückzahlen“, erklärte die BaFin. Die Bankenaufsicht schreibt ausdrücklich fest, dass das von den Instituten eingesetzte Personal ausreichend qualifiziert sein muss. Die Neufassung der MaRisk müssen von den Kredit- und Finanzdienstleistern grundsätzlich bis Ende des Jahres umgesetzt werden. Sofern sich bei der Umsetzung der Anforderungen Schwierigkeiten ergeben sollten, die nicht auf Versäumnisse des Instituts zurückzuführen seien, „werde ich bis zum 31.12.2010 von bankaufsichtsrechtlichen Maßnahmen absehen“, erklärte die BaFin-Exekutivdirektorin für Bankenaufsicht, Sabine Lautenschläger, in einem Begleitschreiben zu den Regularien.

Im Interview mit der Börsen-Zeitung sieht Michael Kramarsch, Deutschland-Chef des Beratungshauses Towers Perrin, in der Neufassung der MaRisk lediglich einen ersten Schritt. „Positiv ist, dass es nunmehr erstmals verbindliche Regelungen für die Vergütung in Banken gibt. Die BaFin reagiert damit aber sehr spät auf die Krise und ist zudem deutlich hinter den Regelwerken in der EU oder Großbritannien zurückgeblieben“, so der Experte. Zur notwendigen Weiterentwicklung der Vergütungssysteme sieht Kramarsch nun zwei Optionen: „Der Gesetzgeber agiert und schafft ein neues Gesetz, oder zumindest eine Durchführungsverordnung. Oder die BaFin und die Banken erstellen in den kommenden Diskussionen – wie sie ja vorgesehen sind – ein Handbuch über Best Practice.“ Er könne sich vorstellen, dass weitere Richtlinien nach dem „Comply-or-Explain-Ansatz“ erstellt werden, bei denen Banken erklären müssten, warum sie bestimmte Regeln nicht anwenden wollen (weitere Quellen: Tagesspiegel, FAZ, Reuters, dpa-AFX).

Die Neufassung der MaRisk hat die BaFin in einem Rundschreiben veröffentlicht. Die Ausführungen sind unter folgendem Link abrufbar: http://www.bafin.de/cln_108/nn_722758/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Service/Rundschreiben/2009/rs__0915__ba__marisk.html

Besonders übersichtlich sind die Änderungen zur alten MaRisk-Fassung (vom 30.12.2007) in folgendem pdf-Dokument der BaFin dargestellt: http://www.bafin.de/cln_161/SharedDocs/Downloads/DE/Service/Rundschreiben/Anlagen/rs__0915__ba__anlage2,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/rs_0915_ba_anlage2.pdf

 


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  1. [...] Das Beratungshaus Severn Consultancy hat im Zuge der jüngsten Novellierung der MaRisk durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Auswirkungsstudie erstellt, die die Finanzinstitute über den sich aus den Neuregelungen ergebenden Handlungsbedarf informieren soll. Einige wichtige Fakten der Studie sind zudem in einem komprimierten “Fact-Sheet” veröffentlicht worden. “Um die MaRisk lückenlos zu erfüllen, ist es für die Institute unumgänglich, bestehende Verfahren, Prozesse und Systeme des Risikomanagements auf den Prüfstand zu stellen”, heißt es in der entsprechenden Mitteilung. Durch die Neuregelungen nehme die Eigenverantwortung der Banken weiter zu, die individuell erforderlichen Verfahren im Risikomanagement passgenau auf die spezifische Geschäfts- und Risikostruktur auszurichten (vgl. RMRG vom 17.8.). [...]