Harvard-Ökonom fordert schärfere Regulierung systemrelevanter Banken

19. August 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

ft_swIn einem Meinungsbeitrag für die heutige Financial Times appelliert der Wirtschaftsprofessor an der Harvard Universität und ehemalige IWF-Chefökonom, Kenneth Rogoff, für eine zeitnahe, fundamentale Reform des internationalen Finanzsystems und damit verbunden, einer schärferen Bankenregulierung.
Gerade die im Zuge der Finanzkrise zu Tage getretenen, massiven Risikoanhäufungen bei systemrelevanten Großbanken müssten regulatorisch adressiert werden. Rogoff fragt: „Wo ist das Problem, wenn die Regulierungsbehörden diesen Banken eine höhere Eigenkapitalunterlegung vorschreiben, um Arbitrage-Möglichkeiten einzuschränken, die die Institute erst dem Systemrisiko ausgesetzt haben?“ Tatsache sei, das gerade die systemrelevanten Großbanken die Möglichkeit haben, sich äußerst günstig zu refinanzieren und auf dieser Basis risikoreiche Investments zu tätigen – immer mit dem Wissen im Hintergrund, dass der Steuerzahler bei möglichen Schieflagen zur Rettung beispringen müsse. Diese Problematik des so genannten „Moral Hazard“ gelte es nun anzugehen, jedoch sei der Fokus der zuständigen Institutionen hier noch nicht entsprechend ausgerichtet.

In einem heute veröffentlichten Interview mit „Spiegel Online“ warnt Rogoff zudem vor Hoffnungen auf einen baldigen ökonomischen Aufschwung. Mit Blick auf die Situation in den USA, erklärt der Harvard-Ökonom: „Es wird sicher lange nicht so steil bergauf gehen wie in den Jahren vor der Krise. Über die nächsten fünf Jahre wird das Wirtschaftswachstum bei nur rund zwei Prozent liegen. Die US-Wirtschaft hatte einen Herzinfarkt, es dauert, sich davon zu erholen.“ Problemfelder seien dabei die Konsumzurückhaltung, schwache Immobilienpreise und weiterhin harte Kreditkonditionen.

 


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