Risiko-Expertin plädiert für faire Bewertung der Basel II-Eigenkapitalregeln

25. August 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_ambaIn einem ausführlichen Beitrag für das Branchenblatt „American Banker“ versucht Karen Shaw Petrou, Managing Partner bei Federal Financial Analytics Inc., die weit verbreitete Kritik an den Basel II-Eigenkapitalregeln zu relativieren – entsprechend verfasst sie ihren Beitrag unter dem Titel „Don’t Blame the Whole Mess on Basel II“.
Zwar sei der Eigenkapitalakkord sicherlich nicht perfekt, aber die Expertin gibt zu bedenken, dass Basel II in der EU vor 2007 nicht in Kraft getreten sei und auch in den USA nur bei wenigen Instituten vor der Subprime- und der folgenden Finanzmarktkrise angewendet wurde. Daher ihr Fazit: „Der eigentliche Fehler von Basel II ist in der Tatsache zu sehen, dass sein Vorgänger Basel I viel zu lange angewandt wurde.“ Bereits im Jahr des Inkrafttretens von Basel I (1988) hätten die Banken erkannt, dass die Behandlung außerbilanzieller Assets unter dem ersten Akkord eine Einladung zur Regulierungsarbitrage ist. „The rules then – and amazingly still now in the U.S. – have no capital charge for any off-balance-sheet commitment with a maturity of less than one year“, erklärt Petrou. Hier sei der Ausgangspunkt für die strukturierten Investmentvehikel und andere krisenursächliche Produkte gelegt worden.

Folgend merkt die Expertin an, dass schon in Basel I die aktuell kritisierte Abhängigkeit von den Ratingagenturen manifestiert worden ist. Das risikobasierte Regelwerk habe schlichtweg eine Institution benötigt, die das Kreditrisiko bewerten kann. Die Expertin merkt dazu an: „Rating agencies have become manifestly flawed and conflicted since 1988, but it’s critical to remember that, absent some capital recognition, banks have strong perverse incentives to take lots of risk.“ Selbst die im US-Sektor angelegte Leverage Ratio von 5 Prozent sei in Bezug auf hochriskante Anlagen viel zu niedrig gewesen. Mit Basel II sei versucht worden, die Abhängigkeit von den Ratingagenturen zu reduzieren, indem man auf die Anwendung von bankinternen Risikomodellen gesetzt habe: Aber: „It did this badly, of course, continuing rating agency reliance even as complex, untested models were brought to bear on risks no one – least of all the banks – understood.“ Ein weiteres, entscheidendes Problem sieht die Petrou in der Tatsache, dass die Basel II-Eigenkapitalregeln in der EU während einer ökonomischen Boomphase eingeführt wurden. Das Ergebnis: „Die Kapital-Kalkulationen beruhten auf den bestmöglichen Annahmen.“

Die derzeit vorgetragene Kritik an Basel II verkennt ihrer Ansicht nach nicht nur die bereits in Basel I verankerten Problempunkte, sondern auch die getroffenen Maßnahmen zur Reform des zweiten Eigenkapitalakkords. So habe der Baseler Ausschuss erst kürzlich entscheidende Änderungen an Basel II vorgeschlagen (vgl. RMRG vom 14.7.). „Diese werden die Banken dazu zwingen, verstärkt auf ihre eigene Kreditrisiko-Analyse zu setzen und sich nicht mehr nur auf die Ratingagenturen zu stützen“, betont Petrou in ihrem Beitrag für den „American Banker“. Viele Kritiker würden diese anvisierte Reform aus ihren Betrachtungen ausklammern. Basel II ohne „checks and balances“ oder zusätzliche Absicherungen – das wird es nach Meinung Petrous künftig nicht mehr geben.

 


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