Bankenverbände: Gemeinsam gegen eine Leverage Ratio

1. September 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

papers5Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), Karl-Heinz Boos, hat gegenüber dem Handelsblatt erneut vor der Einführung einer „Leverage Ratio“ und einer Neudefinition des Kernkapitals der Banken gewarnt.
Diese beide Punkte seien auch Diskussionsgegenstand des anstehenden G20-Gipfels in Pittsburgh, merkt das Blatt dazu an. Auch seitens der privaten Banken gebe es Widerstand gegen solche Pläne. „Wir lehnen nicht sensitive Regulierungsnormen wie zum Beispiel die Leverage Ratio ab“, werden Aussagen des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) wiedergegeben. Boos moniert, dass eine Leverage Ratio alle Bilanzaktiva gleich behandeln würde und nicht risikosensitiv ausgerichtet sei, wie z.B. Basel II. „Wenn tatsächlich feste Leverage Ratios eingeführt werden, können sie die Eigenkapitalregeln nach Basel II in den Müll kippen“, so seine deutliche Aussage. Dadurch entfalle dann nämlich die Risikoorientierung als Steuerelement für die Banken. Diese Formulierung scheint jedoch überspitzt – plant der Baseler Ausschuss doch lediglich die unterstützende Ergänzung von Basel II um eine feste Verschuldungsgrenze.

Auch die engere Fassung des Kernkapitalbegriffs steht Aufsichtskreisen zufolge „ganz oben“ auf der Prioritätenliste der G20-Staaten. Das bankaufsichtlich anerkennungsfähige Kernkapital soll den Plänen zufolge auf das gezeichnete Kapital einschließlich offener Rücklagen konzentriert werden. Gerade an diesem Punkt hatte der VÖB bereits vergangene Woche massiv opponiert (vgl. RMRG vom 28.8.). Der Blick auf die Bedeutung stiller Einlagen für den öffentlichen Bankensektor erklärt diesen Widerstand. Nach Aussage von VÖB-Hauptgeschäftsführer Boos sei nicht damit zu rechnen, dass schnell Ersatz für die eventuell wegfallenden Kernkapitalelemente gefunden werde. Seiner Aussage zufolge könnten die Banken in Folge des neudefinierten Kernkapitals gezwungen sein, Risikoaktiva abzubauen um somit ihre Kernkapitalquote weiter zu halten. „Es wird dann nur eine Frage der Zeit sein, bis wir eine echte Kreditklemme bekommen”, wird seine Schlussfolgerung im Handelsblatt wiedergegeben.

Auch in dieser Kritik werden die öffentlichen Banken vom BdB unterstützt. Man setzte sich dafür ein, hybrides Kapital weiterhin als Kernkapital anzuerkennen. Der BdB halte es für wichtig, dass eine Harmonisierung der Eigenkapitaldefinition basierend auf den Prinzipien der Dauerhaftigkeit, Nachrangigkeit und Verlusttteilnahme angestrebt werde, wird eine Sprecherin zitiert.

 


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2 Kommentare
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  1. [...] gegen das Instrument einer Leverage Ratio dürften mittlerweile ausreichend dokumentiert sein (vgl. RMRG vom 1.9.). Doch auch die im Nachlauf des G20-Gipfels verschärften Anforderungen bei der [...]

  2. [...] hatten sich die Bankenverbände BdB und VÖB bereits mehrfach kritisch zu Wort gemeldet (vgl. RMRG vom 1.9.). Gegenüber dem Handelsblatt schließt sich Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied beim Bundesverband [...]