Warum die deutschen Banken die Verlierer des G20-Gipfels sein könnten

4. September 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers1Die „New York Times“ beleuchtet die Gipfel-Agenda der US-Regierung für das anstehende G20-Treffen in Pittsburgh und erklärt, dass US-Präsident Barack Obama auf einen internationalen Regulierungskonsens drängen will, der höhere Kapitalpuffer im Bankensektor nach sich zieht.
Insbesondere systemrelevante und besonders risikoreich agierende Banken sollen dabei höhere Eigenkapitalanforderungen auferlegt werden. „Das ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem sicheren Finanzsystem. Wir sollten uns bei der konkreten Umsetzung nicht allzu viel Zeit nehmen“, werden Aussagen von US-Finanzminister Timothy Geithner wiedergegeben. Das Blatt äußert jedoch eine gewisse Skepsis, ob an diese Punkt ein Kompromiss mit Europa und Asien gefunden werden kann. Der Grund: „Europäische und asiatische Banken, die im Allgemeinen eine geringere Eigenkapitalausstattung vorweisen, könnten gezwungen sein, Milliarden an neuem Kapital aufzubringen um mit den harten Standards konform zu gehen.“

Im Folgenden verdeutlicht das Blatt die großen Vorbehalte im US-Finanzsektor gegen den aktuellen Eigenkapitalakkord Basel II. Die Reformbemühungen des Baseler Ausschusses werden dabei – wie so oft in der US-Diskussion zum Thema – ausgeblendet. Dagegen stößt die vom Gremium anvisierte Ergänzung des Regelwerks um eine Leverage Ratio bei den amerikanischen Regulierungsbehörden offenbar auf offene Ohren. So habe sich die FDIC-Chefin Sheila Bair in einem Interview für diese feste Verschuldungsgrenze ausgesprochen. „Es muss ein simples, hartes Regulierungsinstrument sein, dass die ausreichende Vorhaltung von Eigenkapital auch in ökonomischen Stressphasen garantieren kann“, so Bairs Forderung. Auch Geithner erkennt diese Notwendigkeit und visiert auf dem Gipfel eine deutlich konservativer gefasste Finanzmarktregulierung an, die auf die überbordende Verschuldung im Bankensektor abzielt.

Die Vorbehalte im deutschen Bankensektor gegen das Instrument einer Leverage Ratio dürften mittlerweile ausreichend dokumentiert sein (vgl. RMRG vom 1.9.). Doch auch die im Nachlauf des G20-Gipfels verschärften Anforderungen bei der Eigenkapitalvorhaltung und der dabei von den USA aufgebaute Zeitdruck zur Einführung ebendieser, könnte die deutschen Banken in die Bredouille bringen. Nicht umsonst konstatiert das Handelsblatt, dass die neuen Regeln „die Banken Milliarden kosten werden“. Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, warnte in diesem Zusammenhang schon vorsorglich vor einer möglichen Kreditklemme. Schmitz sieht die Gefahr, dass insbesondere die deutschen Banken nicht in der Lage sein könnten, ihr Eigenkapital schnell genug zu erhöhen. Auch die Bundesregierung habe das Problem erkannt und wolle schärfere Eigenkapitalanforderungen daher erst nach Ende der Finanzmarktkrise einführen, merkt das Handelsblatt an.

 


Tags: , , , , , , , ,

Keine Kommentare möglich.