Wirtschaftsprüfer wollen Basel II-Regelwerk “atmen” lassen

7. September 2009 | Von | Kategorie: Basel III

„Die aufgrund der Finanzmarktkrise eingetretenen Bewertungsverluste haben das bilanzielle und auch das aufsichtsrechtliche Eigenkapital gemindert. Die Folge ist eine Reduzierung des möglichen Geschäftsvolumens der Kreditinstitute“, so die Analyse des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) im Rahmen eines Pressegesprächs. Vorschläge, diese prozyklische Wirkung dadurch zu beseitigen, dass Bewertungsverluste nicht in voller Höhe in der Rechnungslegung berücksichtigt werden, lehnt das IDW jedoch ab – verwiesen wird dabei auf einen Widerspruch zur Informationsfunktion der IFRS. „Prüfer wollen ‚atmende’ Basel II-Regeln“, so die zusammenfassende Überschrift der Börsen-Zeitung zum Ansatz des IDW. Es plädiert für mit den Konjunkturzyklen „atmende“ von der Bilanzierung entkoppelte Eigenkapitalunterlegungsanforderungen. Die BaFin solle demnach in Krisenzeiten weniger Eigenmittel von den Banken für ausgereichte Kredite fordern, damit die Geldhäuser die Industrie weiter mit genügend Finanzmitteln versorgen können.

Die Börsen-Zeitung verweist in ihrem Beitrag zum Thema auf die prompte Reaktion der BaFin auf die IDW-Vorschläge – diese seien schlichtweg nicht umsetzbar. Basel II bzw. die CRD seien europäische Rechtsvorgaben, welche die BaFin nicht mit eigenem Spielraum antizyklisch interpretieren könne. Im Rahmen des Pressegesprächs plädierten die Wirtschaftsprüfer zudem für eine Ausgestaltung der Eigenkapitalanforderungen für Banken nach dem System des „dynamic provisioning“. Vorbild könne hier der spanische Bankensektor sein. „Mit dieser die prozyklischen Ausschläge des Fair-Value-Rechnungslegungsstandards IAS 39 dämpfenden Regelung bilden spanische Banken in Boomzeiten Reserven, die im Konjunkturabschwung aufgelöst werden können“, schreibt die Börsen-Zeitung. Im Gegensatz zu den „stillen Reserven“ der HGB-Rechnungslegung würden die dynamische Reserven transparent im Bilanzabschluss gezeigt.

 


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