Baseler Pläne zu Kernkapitaldefinition und Leverage Ratio ernten Lob und Kritik

8. September 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_crossDie vom Vorsitzenden des Lenkungsgremiums des Baseler Ausschusses, EZB-Chef Jean-Claude Trichet, angekündigten Details zur Reform der Eigenkapitalregeln für Banken stoßen in der heutigen Presseberichterstattung auf ein breites Echo.
Insbesondere die nun feststehende Ergänzung von Basel II um eine Leverage Ratio und die entsprechenden Auswirkungen auf den deutschen Bankensektor stehen dabei im Mittelpunkt. „Baseler Ausschuss verständigt sich auf schärfere Kapitalstandards“, überschreibt die Börsen-Zeitung ihren Beitrag – die FAZ merkt an: „Notenbanken wollen Bankenregeln verschärfen.“ Das Handelsblatt diagnostiziert starken Widerstand der deutschen Banken und titelt: „Kreditwirtschaft protestiert.“ „Mehr Puffer für die Banken“, sieht derweil die Frankfurter Rundschau am Horizont. Die Reformen beim Eigenkapitalregelwerk sollen nach Aussage des Vorsitzenden des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, zu einer besseren Kapitalausstattung der Banken und zu höheren Liquiditätsanforderungen führen (vgl. RMRG vom 7.9.).

„Ein Kernpunkt der Baseler Einigung bezieht sich auf die Qualität des Bankenkapitals“, berichtet die FAZ und merkt an, dass künftig die für den deutschen Bankensektor bedeutsamen, stillen Einlagen nicht mehr zum Kernkapital gerechnet werden sollen. Das Handelsblatt gibt dazu die bereits mehrfach geäußerte Kritik des Verbands öffentlicher Banken (VÖB) wieder: „Instrumente, die nachweislich alle an bankenaufsichtliches Kernkapital zu stellenden Anforderungen erfüllen, würden in Billionenhöhe wegbrechen und könnten kaum ersetzt werden.“ Dadurch würde die über Jahrzehnte gewachsene und als robust anerkannte Eigenkapitalstruktur der deutschen Kreditinstitute grundlegend infrage gestellt, moniert der Verband. Die Börsen-Zeitung prognostiziert einen „Anpassungsdruck“ bei Banken, „deren Kernkapital wie bislang regulatorisch zulässig mit Nachranganleihen und hybriden Instrumenten aufgefüllt wurde“.

Zur vom Baseler Ausschuss nun festgelegten Einziehung eines „Sicherheitsnetzes“ unter Basel II – der so genannten Leverage Ratio – merkt das Blatt an: „Hier geht es um Quotenverhältnisse von Bilanzsummen beziehungsweise Risikoaktiva und Eigenkapital, um auf niedrigere Schuldenhebel in der Bankbilanz hinzuwirken.“ Auch zu dieser, erwarteten regulatorischen Ergänzung hatten sich die Bankenverbände BdB und VÖB bereits mehrfach kritisch zu Wort gemeldet (vgl. RMRG vom 1.9.). Gegenüber dem Handelsblatt schließt sich Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), dieser Kritik an und betont, dass die Leverage Ratio den „empirischen Test“ in den USA, „wo sie seit vielen Jahren eingeführt war“, nicht bestanden habe. Dieses Argument greift jedoch zu kurz, da Hofmann das anvisierte Zusammenwirken des risikosensitiven Regelwerks Basel II und einer ergänzenden Verschuldungsquote bei seiner Betrachtung außen vor lässt. Das Baseler Gremium erklärte zudem, dass bei der Verschuldungsquote eine weitreichende internationale Harmonisierung geplant sei, die mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Bilanzierungsmethoden eine Vergleichbarkeit der Maßnahmen herstellen soll. Das “Wall Street Journal Europe” bewertet die ergänzende Verschuldungsquote sehr zurückhaltend und erkennt darin kein Regulierungsinstrument “mit Biss”, sondern eher eine letzte Sicherungslinie.

Entgegen der von der Bankenbranche geäußerten Kritik an den Baseler Plänen, bewerten sowohl die Frankfurter Rundschau, als auch die FAZ, die Vorschläge positiv. „Während die Finanzminister noch reden, handeln die weltweit führenden Zentralbanker“, lobt die FR. Der FAZ-Kommentar erkennt in den präsentierten regulatorischen Maßnahmen „überzeugende Vorschläge für eine strengere Bankenaufsicht“. Das Blatt fordert gar eine deutliche Kompetenzerweiterung für die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), unter deren Dach der Baseler Ausschuss angesiedelt ist. Die BIZ könne künftig „Eigenkapital, Hebel und Risiko von Banken durch den Zyklus steuern“. Die Institution sei zwar nicht in der Lage das Risiko der Pleite einer vernetzten Bank aus der Welt schaffen, aber sie könne die Gefahr für das gesamte Finanzsystem mindern.

 


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  1. [...] eine „Kapitalerhöhungsrunde“ infolge der Pläne des Baseler Ausschusses vorhergesagt (vgl. RMRG vom 8.9.). Auf der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ beschrieb er als mögliches Problem bei [...]