Widerstand gegen Baseler Pläne: Deutsche Banken setzen auf Hilfe der Regierung

10. September 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers4Im Interview mit dem Handelsblatt äußert sich der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz, zu den Plänen des Baseler Ausschusses zur Verschärfung der Eigenkapitalregeln.
„Es ist richtig, dass die Banken ihr Geschäft mit mehr Kapital unterlegen müssen. In der Krise hat sich gezeigt, dass die Kapitalquoten zu gering waren für das, was die Banken an Geschäft gemacht haben“, betont Schmitz. Auch eine Adressierung der prozyklischen Effekte von Basel II sei zu begrüßen. Der BdB-Präsident gibt jedoch zu bedenken: „Eine höhere Minimum-Eigenkapitalquote von 7 oder 8 Prozent, in der fast nur noch Kern-Tier1-Kapital enthalten ist, wird schon eine Herausforderung für den gesamten deutschen Bankenmarkt – weniger für den angelsächsischen. 98 Prozent des deutschen Bankensektors haben keinen Zugang zum Kapitalmarkt.“

Schmitz erkennt im Handelsblatt-Gespräch jedoch auch die Notwendigkeit, dass systemrelevante Finanzinstitute über höhere Eigenkapitalanforderungen schärfer reguliert werden müssen. Um die absehbaren Auswirkungen der Baseler Pläne abfedern zu können, versucht der BdB nun offenbar bei der Bundesregierung vorzusprechen. Der BdB-Präsident zu seinen Wünschen an die Regierung: „Dass sie sich dafür einsetzt, dass das Kernkapital auch aus hybridähnlichen Strukturen wie stillen Einlagen bestehen kann, zumindest für eine Übergangszeit. Diese Hybridbestandteile können ja stärker als in der Vergangenheit ausgestaltet sein.“ Zudem solle sie sich für eine Differenzierung der Eigenkapitalunterlegung nach Geschäftsmodellen stark machen.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat dem Bankensektor eine „Kapitalerhöhungsrunde“ infolge der Pläne des Baseler Ausschusses vorhergesagt (vgl. RMRG vom 8.9.). Auf der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ beschrieb er als mögliches Problem bei der Kapitalakquise, dass viele institutionelle Anleger nach eigenem Empfinden bereits über gewaltige Engagements im Finanzsektor verfügten. Er merkte kritisch an: „Bevor wir über höheres Eigenkapital nachdenken, sollten wir dazu aber mehr volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analysen haben.“ Die Forderung nach einer Kernkapitalquote von 8 Prozent, bestehend aus Stammkapital anstatt hybrider Instrumente bezeichnete Ackermann jedoch als „angemessen“. Auf der Konferenz prognostizierte der Co-Präsident von Morgan Stanley, Walid Chammah, für Banken mit Privatkunden-Fokus künftig eine Tier 1-Quote von 7 bis 8,5 Prozent und für Universalbanken eine Spannbreite von 9 bis 11 Prozent.

„Das deutsche Kreditgewerbe ist sichtlich um säulenübergreifende Geschlossenheit bei wesentlichen Regulierungsthemen bemüht“, merkt die Börsen-Zeitung zur Kritik der Bankenvertreter an den Baseler Plänen an. Neben der Führungsetage des privaten Bankensektors positionierten sich auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, und der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, zu den Vorschlägen. Haasis erklärte, dass es zwar richtig sei, aus der Krise Konsequenzen für die Eigenkapitalausstattung zu ziehen, „aber doch bitte so, dass nicht diejenigen in ihren Eigenkapitalspielräumen beschnitten werden, die nicht die Ursache der Finanzkrise waren, jetzt die Kreditversorgung für die Unternehmen aufrechterhalten und täglich von der Politik in diesem Bereich zu noch größeren Anstrengungen aufgefordert werden“ (weitere Quelle: Financial Times Deutschland).

 


Tags: , , , , , , , , , , ,

Keine Kommentare möglich.