Bundesbank-Vize sieht Spielraum für antizyklische Elemente bei nationaler Basel II-Umsetzung

2. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

boezIm Interview mit der Börsen-Zeitung warnt der Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler vor einer Rückkehr zum Eigenkapitalakkord Basel I in Reaktion auf die kritischen, prozyklischen Wirkungen von Basel II.
„Eine Rückkehr zu Basel I würde die unterschiedlichen Risiken von Bankgeschäften genauso vernachlässigen wie außerbilanzielle Positionen“, so seine Aussage. Zudem stünde ein solcher Schritt konträr zu den jüngsten Beschlüssen des G20-Gipfels, die eine vollständige internationale Implementierung von Basel II bis Anfang 2011 vorsehen. Zeitler verweist zudem auf die Reformanstrengungen des Baseler Ausschusses, der die „Fehlstellen“ im Regelwerk adressiert habe. Als Stichworte nennt der Bundesbank-Vize die Unterlegung des Handelsbuchs und abstrakte Verbriefungen.

Die Börsen-Zeitung hakt im Interview mit Zeitler am Punkt der Prozyklizität von Basel II nach und fragt, ob hier nicht auch innerhalb des Baseler Rahmenwerks Reformbedarf bestehe. Der bei der Bundesbank für den Bereich Bankenaufsicht zuständige Vorstand antwortet: „Zunächst lassen die Baseler Regeln und die deutsche Umsetzung durchaus Spielraum für eine antizyklische oder besser gesagt: zyklusübergreifende Betrachtungsweise. So brauchen die Prognosehorizonte für die Ausfallwahrscheinlichkeiten bei der Messung von Kreditrisiken nicht nur auf den jeweils aktuellen Zeitpunkt („point in time“) bezogen zu sein, sondern können durchaus die Entwicklung im gesamten Zyklus (drei bis fünf Jahre) umfassen. Bisher werden solche Ratings mit auf den gesamten Zyklus bezogenen Ausfallwahrscheinlichkeiten („through the cycle PDs“) von den Kreditinstituten allerdings selten praktiziert [...].“

 


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