Ergebnis des EU-Banken-Stresstests wird differenziert betrachtet

5. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_crossDas „Committee of European Banking Supervisors“ (CEBS) hat am vergangenen Donnerstag das zusammengefasste Ergebnis eines Stresstests bei 22 grenzüberschreitend operierenden, europäischen Banken veröffentlicht.
Die Institute „erscheinen ausreichend kapitalisiert, um einer massiven makroökonomischen Verschlechterung zu widerstehen“, so die Aussage des CEBS in einer Mitteilung. Das Resultat wird in der Wirtschaftspresse unterschiedlich gewertet. Während die Financial Times Deutschland feststellt, „EU-Banken bestehen Stresstest“, beleuchtet das Handelsblatt die warnenden Anmerkungen des CEBS: „Banken drohen immer noch Verluste.“ Die Süddeutsche Zeitung titelt deutlich negativer: „Europas Banken vor Milliardenverlusten.“ Demnach sind bei den überprüften Banken bis Ende 2010 noch Verluste von bis zu 330 Mrd. Euro zu erwarten. Die drohenden Verluste, verursacht durch Wertpapiere, die aufgrund der Krise wertlos geworden sind, würden die europäischen Banken aber nicht existenziell bedrohen, zitiert das Handelsblatt Bundesbank-Chef Axel Weber.

Im Details ergaben die Stresstests, dass die Eigenkapitalquoten der überprüften Banken auch unter einem ökonomisch kritischen Szenario nicht unter 6 Prozent abrutschen würden. Basel II schreibt in der aktuellen Fassung eine Mindestkernkapitalquote (Tier 1) von 4 Prozent vor. Im Durchschnitt könne dann eine Quote über 9 Prozent gehalten werden. Anmerkungen zu den Einzelergebnissen bestimmter Banken sind in der CEBS-Veröffentlichung – wie erwartet – nicht zu finden. Bundesbank-Chef Weber verdeutlichte, dass die Banken mit einer „substanziellen Anhebung“ der Mindestkapitalanforderungen zu rechnen hätten. Auch die Qualität des Eigenkapitals müsse deutlich besser werden. „Das wird das Bankengeschäft deutlich weniger profitabel machen“, wird Weber vom Handelsblatt zitiert. Eine genaue Angabe zur künftigen Mindestkapitalquote wollte Weber nicht machen, merkt das Blatt an.

Nach Bericht der Süddeutschen Zeitung äußerten sich EU-Diplomaten zufrieden über die „hohe Widerstandsfähigkeit“ der Finanzinstitute, die durch den CEBS-Stresstest verdeutlicht worden sei. Das Blatt verweist auf die im Vorfeld der Überprüfung vereinbarte Geheimhaltung der Ergebnisse einzelner Banken-Tests. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück habe damals gewarnt, dass einige Banken in diesem Falle Wettbewerbsnachteile erleiden könnten. Der CEBS merkt in seiner Mitteilung an, dass der Test nicht das Ziel gehabt habe, „den potentiellen Finanzbedarf der Banken insgesamt oder einzeln abzuschätzen“.

Die Mitteilung des CEBS ist unter folgendem Link einsehbar: http://www.c-ebs.org/News–Communications/Latest-news/CEBS-press-release-on-the-results-of-the-EU-wide-s.aspx

 


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