Deutsche Banken leisten weiter Widerstand gegen Kernkapitaldefinition und Leverage Ratio

6. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_faecherVor dem Hintergrund der IWF-Tagung in Istanbul diagnostiziert die Tageszeitung „Die Welt“ eine „neue Furcht der Banken vor dem Staat“.
Der „gemeinsame Feind“ der Bankenbranche haben einen Namen: Überregulierung. Im Mittelpunkt stehen hier mittlerweile die Kapitalanforderungen. Die Finanzinstitute würden das Argument einer möglichen Kreditklemme als Warnung vor überzogenen Forderungen anführen. Es zeige sich jedoch auch eine Konfliktlinie innerhalb der Bankenbranche – während DSGV-Präsident Heinrich Haasis für höhere Eigenkapitalanforderungen für systemrelevante Großbanken plädierte, lehnt der Bankenverband IIF solche Pläne ab. Auch zwischen den Ländern gebe es beim Thema Bankeneigenkapital Diskrepanzen, konstatiert die Zeitung. So stoße die Neudefinition des Kernkapitals gerade in Deutschland auf starken Widerstand.

Wenn deutsche Banken stille Einlagen nicht mehr als Kernkapital ausweisen dürften, stehe den Sparkassen Eigenkapital in „hoher zweistelliger Milliardenhöhe“ nicht mehr zur Verfügung, gibt die Süddeutsche Zeitung die Kritik des DSGV-Präsidenten Haasis an der Kapitaldefinition wieder. „Die Frage, welche Rolle stille Einlagen künftig spielen, ist in erster Linie ein Wettbewerbsthema“, zitiert das Handelsblatt den Einwand von Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Hofmann merkt weiter an, dass es Anzeichen gebe, dass sich die USA mit ihren Vorstellungen bei der künftigen Bankenregulierung durchsetze. „Wir sind schon erstaunt, dass man bei der Bewältigung der Krise auf das anglo-amerikanische System setzt“, wundert sich auch Haasis. „Für Protest sorgt in der Branche zudem die vorgesehene Leverage Ratio“, erklärt das Handelsblatt.

In einem Statement anlässlich der IWF-Tagung unterstrich auch der Bankenverband BdB seine Kritik am Instrument einer Leverage Ratio und der Definition des regulatorischen Eigenkapitals. Beide Ansätze könnten „über das Ziel hinausschießen“. „Käme es nun zu einer entsprechenden Regelung, wäre zu befürchten, dass die in Basel II festgeschriebene Verknüpfung von Eigenkapital und Risiko außer Kraft gesetzt würde. Damit ginge einer der größten Fortschritte, die Basel II gegenüber Basel I gebracht hat, verloren“, erklärte BdB-Präsident Andreas Schmitz.

Gegenüber dem Handelsblatt äußert sich auch das Vorstandsmitglied des Immobilienfinanzierers Aareal Bank, Thomas Ortmanns, kritisch zur aus seiner Sicht undifferenzierten Diskussion um eine neue Bankenregulierung. „Keine Frage, es ist richtig, bestimmte Leitplanken für die Zukunft einzuziehen. Die Stichworte sind hier weniger Leverage – also Kredithebel – und mehr Eigenkapital“, so seine Aussage. Gerade die anvisierte Neudefinition des anrechenbaren Kernkapitals stößt bei Ortmanns auf Widerstand: „Kommen die jetzigen Vorschläge durch, werden typisch deutsche Instrumente wie stille Einlagen oder Genussscheine nicht mehr anerkannt. Dabei stehen sie genauso wie Eigenkapital für Verluste gerade. Die Abschaffung würde weite Teile der deutschen, aber auch europäischen Branche treffen.“ Auch die geplante Leverage Ratio in Ergänzung zu Basel II wird vom Aareal-Vorstandsmitglied kritisiert. „Die könnte genau das Gegenteil des Erwünschten bewirken. Sie belohnt nämliche jene Banken, die Aktiva von der Bilanz bringen. In der Vergangenheit waren das beispielsweise die großen US-Banken, die kräftig verbriefen konnten. Wer Kredite vergibt und auf der Bilanz hält, wäre hingegen benachteiligt“, moniert Ortmanns.

 


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2 Kommentare
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  1. [...] fallen. Erst diese Woche hatten wir über die breite Kritik aus der Bankenbranche berichtet (vgl. RMRG vom 6.10.). Draghi betont dazu: „Für börsennotierte Banken sollen neben Gewinnrücklagen nur Aktien als [...]

  2. [...] Offenbar haben die breiten Proteste aus dem deutschen Bankensektor hier erfolgreich verfangen (vgl. RMRG vom 6.10.). Das Blatt verdeutlicht in diesem Kontext, dass diese Linie konträr zu jüngst gefassten, [...]