Basel II-Verschärfung: Banken greifen nach Eigenkapital

6. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Basel III

papers8Die „Neue Zürcher Zeitung“ verweist auf eine aktuelle Studie von JP Morgan, wonach die europäischen Banken in den kommenden sechs Monaten – „angestoßen durch das Basel II-Abkommen“ – sich bis zu 78 Mrd. Dollar Kapital beschaffen werden.
Etwa die Hälfte dieses Geldes, nämlich 38 Mrd., dürfte dazu dienen, Staatshilfen zurückzuzahlen. Die restlichen 40 Mrd. Dollar dürften zur Stärkung der Eigenkapitaldecke verwendet werden. HSBC, UBS und die Credit Suisse sind laut Studie die europäischen Banken mit dem meisten überschüssigen Kapital. Auch die „Frankfurter Rundschau“ konstatierte in ihrer gestrigen Ausgabe, dass die Banken dabei seien, nach Eigenkapital „zu greifen“. Die Institute geben dazu neue Aktien und Anleihen aus. Auch die FR sieht die Motivation in den jüngsten Beschlüssen des G20-Gipfels. „Die Kernkapitalquoten werden steigen“, wird dazu Matthias Engelmayer von Independent Research zitiert – „von jetzt vier auf acht Prozent der Bilanzsumme.“ Bei Investmentbanken würden sie noch höher steigen.

Die JP Morgan-Studie benennt auch konkrete Details zum deutschen Bankensektor. Demnach weise die Commerzbank eine Lücke von 12,2 Mrd. Euro auf, um 2011 ohne staatliche Hilfe wieder auf acht Prozent Kapitalquote zu kommen. Ohne frisches Geld käme sie der Erhebung zufolge nur auf 3,8 Prozent. Bei der Deutschen Bank erkennen die Analysten einen Kapitalbedarf von 3,4 Mrd. Euro. „Zwar liege ihre Kernkapitalquote mit 8,7 Prozent über der Schwelle, werde aber infolge der neuen Regeln bis 2011 auf 7,2 Prozent schmelzen“, gibt „Focus Online“ die Studie wieder (weitere Quellen: Börsen-Zeitung, dpa-AFX).

 


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  1. [...] „Das Thema Eigenkapital bekommt für die Banken in nächster Zeit zentrale Bedeutung, vor allem wegen der Beschlüsse von Pittsburgh“, so die treffende Aussage des Bankenanalysten bei der LBBW, Olaf Kayser. So löste die jüngste JP Morgan-Studie zum zusätzlichen Eigenkapitalbedarf europäischer Banken breite Reaktionen aus. Das Handelsblatt sieht die Großbanken nun um Kapital „wetteifern“. Die Süddeutsche Zeitung erkennt: „Die Kapitallücke klafft.“ Obwohl es aktuell noch keine detaillierten Vorgaben der Regulierer gebe, kristallisiere sich eine neue Zielmarke heraus. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Banken mittelfristig mindestens eine Kernkapitalquote (Tier 1) von acht Prozent erreichen müssen“, zitiert das Handelsblatt den JP Morgan-Analysten Kian Abouhossein. Das wäre doppelt so hoch, wie es Basel II zurzeit verlange. Infolge dessen haben nun Großbanken wie Société Générale, BNP Paribas und Unicredit, Kapitalerhöhungen angekündigt (vgl. RMRG vom 6.10.). [...]