Solvency II: Versicherer und Aktuare diskutieren Herausforderungen

7. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Riskmanagement

solvencyMitte September haben Versicherungsexperten auf einem von der aktuariellen Unternehmensberatung EMB Deutschland ausgerichteten Branchenforum über die Zukunft der Assekuranz vor dem Hintergrund von Solvency II diskutiert.
Eine wesentliche Erkenntnis der Veranstaltung war, dass es intern klarer Impulse von ganz oben zur Integration der Risikostrategie in die Geschäftssteuerung bedarf, damit sich dauerhaft eine Risikomanagementkultur im gesamten Unternehmen etablieren kann. Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass interne Modelle dann am effektivsten helfen, Geschäftsvorteile aus Solvency II zu generieren, wenn sie mehr sein dürfen als ein reiner Lieferant von Zahlen für die Aufsicht. So betonte Stefanie Schriek, Senior Consultant bei EMB Deutschland, zu dieser Thematik: „Die größte Herausforderung in der Umsetzung von Solvency II besteht in erster Linie nicht in der technischen Modellierung, sondern vielmehr in der Implementierung einer Wert schaffenden Risikokultur im Versicherungsunternehmen.“

Erst vor kurzem hatte Thomas Steffen, Chef der Vereinigung der europäischen Versicherungsaufseher (Ceiops) und Exekutivdirektor der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), im Rahmen des internationalen IAA LIFE-/IAA AFIR-Kolloquiums in München die Herausforderungen für die Versicherer verdeutlicht und keinen Zweifel daran gelassen, dass die Ceiops-Vollversammlung Ende diesen Monats endgültige Vorschläge zur Implementierung von Solvency II beschließen werde. Steffen deutete in diesem Zusammenhang an, dass die Aufsicht künftig eine noch stärkere Unabhängigkeit der Aktuare – „gerade auch in der Kommunikation gegenüber den Aufsehern“ – anvisiere, berichtet das Branchenblatt „Versicherungswirtschaft“.

Nach Ansicht der Branchenpublikation setzen die Aktuare allgemein große Hoffnungen in Solvency II als künftiges Aufsichtssystem: „Und zwar unbeirrt von der Tatsache, dass die Banken mit Basel II schon seit geraumer Zeit einem vergleichbaren Regelwerk unterliegen und die von ihrer Branche ausgelöste Weltwirtschaftkrise dadurch gleichwohl nicht verhindert worden ist.“ Auch Jörg Schneider, Finanzvorstand der Munich Re, lässt sich von den oft gezogenen, kritischen Vergleichen zwischen Basel II und Solvency II nicht beeindrucken und setzt große Stücke auf das reformierte Versicherungsaufsichtsrecht. „Solvency II gibt die richtigen Antworten auf die Finanzkrise, auch wenn das Konzept bereits vor Ausbruch der Krise entworfen worden war“, erklärte er in einem Gespräch mit der Börsen-Zeitung. So werde der Mehrwert von Rückversicherung künftig noch deutlicher sichtbar, „wenn die risikoentlastende Wirkung von Rückversicherung bei der Kapitalbedarfsrechnung erstmals angemessen berücksichtigt werden soll“ (weitere Quelle: Pressemitteilung).

 


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