Eigenkapitalregeln: Draghi macht deutschen Banken bei Kapitaldefinition keine Hoffnung

8. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers1Der Vorsitzende des Financial Stability Board (FSB) und italienische Notenbankgouverneur, Mario Draghi, äußert sich im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den internationalen Bemühungen um die Neuregulierung der Finanzmärkte.
Dabei sieht er die Reform der Eigenkapitalregeln für Banken nicht als einen der ersten umsetzbaren Regulierungsschritte. Hier müssten zunächst die Folgen genau geprüft werden. „Außerdem müssen wir bei einer zu frühen Umsetzung die prozyklischen Folgen bedenken. Das bedeutet, die schärferen Kapitalregeln können nur allmählich umgesetzt werden“, erklärt Draghi. Angesprochen auf die von europäischen Banken befürchteten Wettbewerbsverzerrungen infolge der Einführung einer ergänzenden Leverage Ratio, merkt der Notenbanker an: „Die Erfahrungen mit den Basel II-Regeln haben gezeigt, dass sie dazu führen können, dass es zu kaum noch zu steuernden Schuldenhebeln kommen kann. Deshalb müssen sie ergänzt werden durch eine einfacheres Maß.“ Er bezeichnet das derzeit in Überarbeitung befindliche Basel II-Regelwerk als „ein hochkompliziertes Instrument“, um die Risiken der Banken zu messen. „Ein einfacheres Instrument wäre deshalb nützlich“, verdeutlicht er die Notwendigkeit einer Leverage Ratio.

Ein weiteres, „brennendes“ Thema für die deutschen Banken ist die geplante Neudefinition des anrechenbaren Kernkapitals, infolge derer stille Einlagen und Hybridanleihen künftig wohl nicht mehr ins Gewicht fallen. Erst diese Woche hatten wir über die breite Kritik aus der Bankenbranche berichtet (vgl. RMRG vom 6.10.). Draghi betont dazu: „Für börsennotierte Banken sollen neben Gewinnrücklagen nur Aktien als hartes Eigenkapital gezählt werden. Für Banken, die nicht an der Börse gehandelt werden, soll es ähnliche Regeln geben, die aber auf ihren anderen Kontext zugeschnitten sind. Die Idee ist, hybride Kapitalformen auszuschließen und sich auf die ‚Common Equity’ zu konzentrieren.“ Die FAZ hakt hier nach und fragt: „Also gibt es gar kein Problem?“ Der FSB-Vorsitzende antwortet: „Ich sage, dass es für die Qualität des Eigenkapitals schon eine Einigung gibt, die, wie ich bereits sagte, schrittweise umzusetzen ist.“

An diesem Punkt verdeutlicht Draghi jedoch, dass den Banken für die Neuausrichtung ihrer Kapitalstruktur ein ausreichendes Zeitfenster eingeräumt werde: „Alles ist darauf ausgerichtet, dass Zeit notwendig ist, um die Änderungen umzusetzen. Niemand will den Banken Schaden zufügen, niemand will eine prozyklische Kreditpolitik, niemand will eine Kreditklemme, niemand will die Erholung der Wirtschaft gefährden.“ Zugleich ziele man jedoch auch darauf ab, dass die Regeln für die Banken geändert und umgesetzt werden – „nur eben schrittweise“.

 


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