Banken spekulieren auf Kernkapitalquote von 8 Prozent als Mindestanforderung

9. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

aufsichtkurve„Das Thema Eigenkapital bekommt für die Banken in nächster Zeit zentrale Bedeutung, vor allem wegen der Beschlüsse von Pittsburgh“, so die treffende Aussage des Bankenanalysten bei der LBBW, Olaf Kayser.
So löste die jüngste JP Morgan-Studie zum zusätzlichen Eigenkapitalbedarf europäischer Banken breite Reaktionen aus. Das Handelsblatt sieht die Großbanken nun um Kapital „wetteifern“. Die Süddeutsche Zeitung erkennt: „Die Kapitallücke klafft.“ Obwohl es aktuell noch keine detaillierten Vorgaben der Regulierer gebe, kristallisiere sich eine neue Zielmarke heraus. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Banken mittelfristig mindestens eine Kernkapitalquote (Tier 1) von acht Prozent erreichen müssen“, zitiert das Handelsblatt den JP Morgan-Analysten Kian Abouhossein. Das wäre doppelt so hoch, wie es Basel II zurzeit verlange. Infolge dessen haben nun Großbanken wie Société Générale, BNP Paribas und Unicredit, Kapitalerhöhungen angekündigt (vgl. RMRG vom 6.10.).

In einem Titelkommentar („Tanz um den harten Kern“) bewertet die Börsen-Zeitung die aktionistischen Bemühungen der Großbanken, ihre Eigenkapitalsituation vor dem Hintergrund neuer Regulierungen zeitnah zu verbessern: „Die Mittelbeschaffung wurde jeweils so austariert, dass die Banken vorrechnen können, beim eng gefassten Kernkapital (Core Tier 1) auf eine Quote von ziemlich genau 8 Prozent zu kommen. Analysten wittern keinen Zufall, sondern einen Trend“, so die Aussage. Dabei habe sich der Baseler Ausschuss an diesem Punkt noch gar nicht festgelegt. Die Branche beruft sich jedoch auf einzelne Verlautbarungen aus Aufsichtskreisen, wonach „ein Mindestvorrat des schärfsten Qualitätsansprüchen genügenden Eigenkapitals von 8 Prozent der risikogewichteten Aktiva die ‚neue Benchmark’ darstellen“ könnte.

Für die anvisierte, stringentere Kernkapitaldefinition des Baseler Ausschusses empfiehlt die Börsen-Zeitung folgend die Formulierung „hartes Kernkapital“. Es sei jedoch müßig, darüber zu spekulieren, ob mit hartem Kernkapital gepolsterte Banken einer „erneuten Kernschmelze“ an den Märkten tatsächlich standhalten würden. Das hänge auch davon ab, wie auf der anderen Seite der Bilanz die Risikoaktiva bewertet werden. „Hier tappen noch alle im Dunkeln und tasten nach Halt“, kommentiert das Blatt. Für die Großbanken sei es dabei nun wichtig, eine griffige Formel zu entwickeln, mit der sie nach außen hin, Solidität signalisieren können.

 


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