HSH Nordbank: Warnungen des bankeigenen Risikomanagements übergangen?

13. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Riskmanagement

artikelNeue Wirbel um die Risikosteuerung der HSH Nordbank.
Diese stand im Zusammenhang mit einem Geschäft ihrer Londoner Filiale mit der Omega Capital Funding Ltd. bereits im August im Mittelpunkt einer kritischen Medienberichterstattung (vgl. RMRG vom 3.8.). Dem Nachrichtenradio des Norddeutschen Rundfunks, NDR Info, liegen jetzt nach eigener Aussage neue Dokumente vor, die auch den Vorstand der Bank schwer belasten. Demnach war der Omega-Deal nicht, wie von Bankkreisen lanciert, ein eigenmächtiges Geschäft der Londoner Filiale, sondern wurde offenbar von den Chefs der Landesbank abgesegnet. So hätten der jetzige HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher und sein Stellvertreter Peter Rieck ihre Unterschrift unter das sich später als verlustreich erweisende Geschäft gesetzt. Ende 2008 musste die Bank in diesem Zusammenhang 500 Mio. Euro abschreiben.

Das Finanzinstitut hatte damals Immobilienkredite in Milliardenhöhe an mehrere Großbanken verkauft, darunter die französische BNP Paribas. Durch den Verkauf wollte die HSH ihre Liquiditätssituation verbessern. Der Vertrag mit der BNP Paribas war jedoch mit der Abmachung verbunden, wonach die HSH Risiken der BNP über die Zweckgesellschaft Omega Capital Funding Ltd. wieder zurücknehmen musste.

Dem Bericht zufolge gab es Vorfeld klare Warnungen des bankeigenen Risikomanagements: So sei „der Zeitrahmen für die Begutachtung außerordentlich eng und mit Hinblick auf die Komplexität und die betreffende Summe unangemessen kurz“ gewesen. Außerdem hielten die Risikoexperten es für möglich, dass die BaFin das Geschäft nicht genehmigen werde. “Interne E-Mails und ein Schreiben der Bank an die BaFin legen nahe, dass die Nordbank deshalb die gefährlichen Details aus dem Milliardengeschäft der Bankenaufsicht anscheinend einfach verheimlicht hat”, berichtet der NDR. Der Sender zitiert folgend aus einer internen e-Mail der Bank: “Wir haben der BaFin nur mitgeteilt, dass wir Risiken abgegeben haben, aber nicht, dass wir Risiken wieder zurück nehmen mussten.”

Für die Bank selbst scheint der neue Wirbel um das risikoreiche Geschäft unbegründet. “Omega ist kein neues Geschäft. Es handelt sich um eine bekannte Transaktion aus dem Jahr 2007, die vollständig im Geschäftsbericht 2008 verarbeitet und über die wiederholt in den Medien berichtet wurde. Sie ist Bestandteil der Untersuchungen der Kanzlei Freshfields für den Aufsichtsrat, deshalb können wir sie nicht weiter kommentieren”, so die Aussage eines Sprechers (weitere Quellen: Süddeutsche Zeitung online, Welt Online).

 


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