Bankenregulierung: Aufsicht und Finanzinstitute verdeutlichen ihre Positionen

14. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers13BaFin-Präsident Jochen Sanio hat im Rahmen des 63. Deutschen Betriebswirtschafter-Tags verdeutlicht, dass er sich für eine Anerkennung stiller Einlagen als Kernkapital für Banken einsetzen werde.
Eine Neudefinition der Kernkapitalquote im Regelwerk von Basel II, die nur Stammaktien mit Stimmrechten gelten lasse, sei „aus deutscher Sicht unerwünscht, ja inakzeptabel“, erklärte er. „Die deutschen stillen Einlagen würden dabei über die Klinge springen. Das können wir nicht hinnehmen.“ Es werde jedoch international immer schwieriger, derartige deutsche Spezialitäten durchzusetzen. „Wir werden künftig noch häufiger kämpfen müssen.“ Dennoch müsse die problematische Kernkapitaldefinition bei der Überarbeitung von Basel II adressiert werden: „Mit den Pseudoformen von Kernkapital muss aufgeräumt werden.“

Die Süddeutsche Zeitung kommentiert Sanios Aussagen vor dem Hintergrund der Pläne von CDU/CSU und FDP, die Bankaufsichts-Kompetenzen von der BaFin auf die Bundesbank übergehen zu lassen. Das Blatt sieht den BaFin-Chef „ohnmächtig und sprachlos“. Dennoch habe dieser sich auf der Veranstaltung in Frankfurt die Sorgen nicht anmerken lassen und habe „in der ihm eigenen direkten Sprache“, die G20-Gipfelbeschlüsse zur Regulierung kritisch bewertet. Die Eigenkapitalanforderungen sollen dabei noch zurückgedreht werden hinter das europäische Niveau, das durch Basel II festgelegt ist. Das sei ein „Zurück in die Zukunft“, er habe Bedenken, ob man dabei „das richtige Maß und die richtige Methodik finden wird“.

Sanio verteidigte in diesem Kontext den zweiten Baseler Eigenkapitalakkord vor überzogener Kritik – er sei von dessen weiterhin Qualität überzeugt. Wenn Basel II früher eingeführt worden sei, hätte dies die Finanzkrise verhindert oder zumindest abgemildert. Basel I habe hingegen „fundamentale Schwachstellen“ aufgewiesen. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing äußerte sich auf dem Betriebswirtschafter-Tag zur Bankenregulierung und forderte die Überarbeitung der Eigenkapitalregeln. „Für riskantere Produkte solle mehr Eigenkapital hinterlegt werden als für risikoärmere Papiere“, fasst die Börsen-Zeitung seine Aussagen zusammen. Auch sollten die Ratingagenturen einer strikteren Aufsicht unterzogen werden, da diese am Verbriefungsmarkt den Anforderungen nicht gerecht geworden seien. Blessing sprach sich nach Bericht der Frankfurter Rundschau für eine effektive wie effiziente Regulierung aus. „Der Einzelne ist damit überfordert, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen“, zitiert das Blatt den Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank.

Ähnlich wie Blessing, verdeutlichte auch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann auf der Veranstaltung die Notwendigkeit einer besseren Regulierung. Das Ziel, die Eigenkapitalbasis des Finanzsystems zu erhöhen, werde von den Banken grundsätzlich unterstützt, gibt die Börsen-Zeitung seine Aussagen wieder. Allerdings weise insbesondere die anvisierte Leverage Ratio gravierende konzeptionelle Schwächen auf. Generell gelte, dass höhere Eigenkapitalanforderungen engere Grenzen für die Höhe der Bankaktiva bedeuteten.

 


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