Regulierung: Bankenpräsident fordert Rücksicht auf deutsche Besonderheiten

20. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

handIm Interview mit der Börsen-Zeitung unterstreicht BdB-Präsident Andreas Schmitz die im Zuge der Finanzkrise gewonnene Erkenntnis, dass das Bankensystem künftig mit mehr Eigenkapital „gefahren“ werden müsse.
Bei der internationalen Gestaltung schärferer Eigenkapitalregeln müsse jedoch auf Besonderheiten der deutschen Finanzinstitute Rücksicht genommen werden. „Konkret: Stille Darlehen, die am Verlust teilnehmen und im Fall der Liquidation verloren sind, müssen als hartes Kernkapital anerkannt werden. Dafür setzt sich die Bundesregierung dankenswerterweise ein, und dabei hat sie unsere volle Unterstützung“, führt Schmitz aus. Auch müsse hier für längere Übergangsfristen gesorgt werden, um mögliche Wettbewerbsnachteile zu verhindern.

„Wenn wir nicht gegenhalten, haben wir morgen in Deutschland eine Bankenlandschaft, die nicht mehr wiederzuerkennen ist – mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen“, so die mahnende Anmerkung des BdB-Präsidenten im zweiten Teil des Interviews. Weitere Wettbewerbsnachteile könnten den deutschen Banken auch durch die Ergänzung von Basel II um eine Leverage Ratio erwachsen. „Die Amerikaner haben mit der Leverage Ratio offenbar kein Problem. Ich halte bei allem Verbesserungsbedarf, den es zweifellos gibt, nach wie vor die Systematik von Basel II für überzeugend, nach der Forderungen ihrem Risiko entsprechend zu gewichten sind. Hier muss man ansetzen“, betont Schmitz. Zwar sei die feste Verschuldungsgrenze ein gutes Maß für die Aufseher, um relativ schnell Veränderungen in der Bilanz zu erfassen – sie sei jedoch keine geeignete Bemessungsgrundlage für das regulatorische Eigenkapital.

Die Börsen-Zeitung fragt Schmitz im Folgenden, ob bei der Leverage Ratio „nicht Äpfel mit Birnen verglichen“ werden. Der Bankenpräsident antwortet: „Selbstverständlich brauchen wir ein Level Playing Field auch bei den Bilanzierungsvorschriften. Wenn die Deutsche Bank nach US-GAAP statt nach IFRS bilanzieren würde, wäre ihre Bilanzsumme um 1 Bill. Euro geringer. Wer Leverage Ratios in unterschiedlichen Rechnungslegungswelten miteinander vergleicht, der vergleicht demnach in der Tat Äpfel mit Birnen.“ In diesem Kontext verweist Schmitz auf auch mögliche, negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft: „Wenn morgen nur noch Grundkapital und Gewinnrücklagen als hartes Kernkapital anerkannt würden, würde die deutsche Wirtschaft schwer zu kämpfen haben, weil die Banken ihre Bilanzen sofort in dramatischem Ausmaß herunterfahren müssten.“

 


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2 Kommentare
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  1. [...] durchaus kritisch – gibt sich jedoch weitaus kämpferischer als die japanische Konkurrenz (vgl. RMRG vom 20.10.). Die Bankenverbände hierzulande hatten mehrfach Widerstand gegen die Aberkennung stiller Einlagen [...]

  2. [...] hinterlässt die fast gänzliche Übernahme der Positionen der deutschen Bankenlobby (vgl. RMRG vom 20.10.) durch die künftig als Aufsicht fungierende Bundesbank einen schalen Beigeschmack. Tags: Basel [...]