Debatte um Zukunft der Großbanken

26. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Regulierung

aufsichtkurveDie vom englischen Notenbankchef Mervyn King vorgebrachte Forderung nach einer Zerschlagung von Großbanken zur Reduzierung des Systemrisikos im Finanzsektor sorgt weiterhin für großen medialen Wirbel.
Risikoarme Geschäftsfelder wie Zahlungssysteme oder Einlagen sollten von riskanteren Aktivitäten wie dem Eigenhandel getrennt werden. Dadurch soll das so genannte „too big to fail“-Dilemma im Bankensektor verhindert werden, erklärte King. „Bonsai-Banken“, so der Titel des entsprechenden Leitkommentars der Börsen-Zeitung. Für das Blatt ist der „Zerschlagungsprozess“ längst im Gange: „Wenn die EU-Auflagen für die Genehmigung von Beihilfen realisiert sind, werden etwa die Commerzbank und einige Landesbanken fast auf Bonsai-Format geschrumpft sein.“ Auch den teilverstaatlichten britischen Großbanken drohten tiefe Einschnitte. „Das geht bis hart an die Grenze zur Kaputtsanierung, wenn auch gesunde, ertragbringende Teile abgespalten werden müssen“, so der Kommentar. Die Süddeutsche Zeitung merkt an: „Banken müssen gezähmt werden. Aber eine Zerschlagung hilft wenig.“ Um Risiken für das System zu reduzieren, seien andere Instrumente wirkungsvoller: „Banken müssen riskante Geschäfte mit weit mehr Kapital unterlegen.“

Hingegen springt das Handelsblatt dem britischen Notenbankchef argumentativ bei. Die klare Forderung in einem Kommentar: „Die Großbanken müssen zerschlagen werden. Investment-Banking ist vom normalen Bankgeschäft zu trennen, das von Kleinanlegern, Privat- und Firmenkunden geprägt wird. Und die Investmentbanken sollten sich von der Börse zurückziehen.“ Die Politik habe in Sachen Bankenregulierung jedoch schon einige begrüßenswerte Schritte getan. „Immerhin ist es ein guter Anfang, dass Bankgeschäfte je nach Risikoklasse künftig noch stärker mit Eigenkapital zu unterlegen sind. So wird ein Puffer aufgebaut, der hilft, systemische Risiken abzufedern.“ In eine ähnliche Richtung gingen auch neue Regulierungsinstrumente wie die Leverage Ratio, die das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme widerspiegele. „Sie zieht die Grenzen für das Bankgeschäft enger und hilft, Risiken zu vermeiden.“

Auch die britische Finanzaufsicht FSA präsentiert jetzt neue Pläne zur strikteren Bankenregulierung. „Um die Größe von systemwichtigen Banken zu verringern und sie besser abzusichern, sollen diese Institute proportional mit wachsender Größe einen gesonderten Kapitalaufschlag vorhalten“, so einer der geplanten Punkte. Zudem sollen Großbanken individuelle Rettungspläne ausarbeiten. „Sollten diese Pläne auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung stoßen, müssen Banken sich umstrukturieren, was auch die Trennung von Kleinkundengeschäft vom Spekulationsgeschäft im Eigenhandel bedeuten soll“, berichtet die FAZ. Im Notfall würde das Kleinkundengeschäft gerettet, das riskantere Handelsgeschäft aber nicht.

Die in einem Diskussionspaper festgehaltenen Ideen der FSA können sie unter folgendem Link einsehen: http://www.fsa.gov.uk/pubs/discussion/dp09_04.pdf

 


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  1. [...] der effektive Mechanismen zur Zerschlagung von systemrelevanten Banken eingefordert hatte (vgl. RMRG vom 26.10.). Kay stellt fest, dass viele der im Zuge der Krise gestrauchelten Finanzinstitute aufgrund von [...]