Leidenschaftlicher Appell zur Bankenaufspaltung

28. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Top News

ft_swDie „Financial Times“ veröffentlicht in ihrer heutigen Ausgabe einen leidenschaftlichen Aufruf ihres Kolumnisten John Kay, die von Großbanken ausgehenden Systemrisiken endlich regulatorisch zu adressieren.
Sein Credo: „’Too big to fail’ is too dumb to keep.“ Er unterstützt damit die jüngsten Ausführungen des Chefs der britischen Notenbank, Mervyn King, der effektive Mechanismen zur Zerschlagung von systemrelevanten Banken eingefordert hatte (vgl. RMRG vom 26.10.). Kay stellt fest, dass viele der im Zuge der Krise gestrauchelten Finanzinstitute aufgrund von Geschäftsaktivitäten in Bredouille geraten seien, die abseits des eigentlichen Kerngeschäfts der Bank getätigt worden sind. Als Beispiel werden dabei auch die „off balance“-Engagements der Sachsen LB und der Hypo Real Estate angeführt. Das Management der Banken habe hier in übersteigerter „Hybris“ agiert, für die letztendlich die Steuerzahler gerade stehen müsse. Daher sei es durchaus legitim, eine regulatorische Abtrennung solcher, risikobehafteter Bereiche zu fordern.

Folgend räumt FT-Kolumnist John Kay mit einem gern bemühtem Vorurteil auf: Die Finanzmarktkrise sei eben nicht durch eine ineffektive Regulierung ausgelöst worden, sondern durch „gierige“ und „linkisch“ agierende Bankmanager, die nicht in der Lage gewesen seien, Geschäfte zu überwachen, die sie letztendlich auch gar nicht verstanden hätten. Kays finaler Appell: „When the next crisis hits, and it will, that frustrated public is likely to turn, not just on politicians who have been negligently lavish with public funds, or on bankers, but on the market system. What is at stake now may not just be the future of finance, but the future of capitalism.“

Derweil gibt es in den USA neuerliche administrative Bestrebungen zur Adressierung ebendieses Systemrisikos im Bankensektor. So plant US-Präsident Barack Obama die Einbringung eines neuen Gesetzes, dass die Notenbank Fed ermächtigen würde, bei als systemrelevant angesehenen Finanzinstitutionen bereits vorzeitig einzugreifen und ihre „geregelte Auflösung“ durchzuführen. Das Vorhaben ist als weiterer Baustein der von Obama angestrebten Finanzmarktarchitektur anzusehen. „Demnach würden Banken und andere Finanzinstitutionen, die als ‚too big to fail’ angesehen werden, künftig unter der direkten Aufsicht der Währungshüter stehen“, merkt die Börsen-Zeitung aktuell an.

 


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