LBBW-Chef kritisiert Ungleichgewicht bei internationaler Bankenregulierung

3. November 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers5Im Interview mit dem Handelsblatt äußert sich der Vorstandsvorsitzende der LBBW, Hans-Jörg Vetter, ausführlich zu den Auswirkungen der internationalen Regulierungsvorhaben auf den deutschen Landesbankensektor.
Die Grundausrichtung, dass Banken künftig mehr Eigenkapital vorhalten müssen, kommentiert Vetter wohlwollend: „Wenn ein Institut mehr Eigenkapital vorhalten muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es Staaten in Schwierigkeiten bringen kann, dramatisch. Solidität hat noch nie geschadet.“ Auch die Bilanzsumme müsse in Relation zum Eigenkapital sinken. Der LBBW-Chef schränkt jedoch ein: „Aber bei aller berechtigten Kritik kommt mir oft zu kurz, dass die Probleme in der Finanzkrise mit Sicherheit nicht aus dem kundengetriebenen Geschäft stammen, sondern aus dem Kundenfernen. [...] Ich halte es für falsch, dass die gesamte Kreditwirtschaft verteufelt wird. Wir haben in Deutschland kein einziges Institut gesehen, das durch kundengetriebenes Geschäft in die Krise gerutscht ist.“

Vetter verdeutlicht jedoch auch die „Bauschmerzen“ der Landesbanken beim Thema der neuen Kernkapitaldefinition im reformierten Basel II. Angesprochen auf etwaige Nachteile, betont der LBBW-Chef: „Langsam. Bisher hat noch niemand die verschiedenen Eigenkapitalkategorien gegenübergestellt. Die Amerikaner haben beispielsweise Vorzugsaktien, bei uns gibt es mehr stille Einlagen. Hier müsste man mal die Vor- und Nachteile all dieser Kategorien gegenüberstellen. Und dann in Ruhe überlegen, wie man das Ganze strukturieren möchte.“ Vetter diagnostiziert an diesem Punkt ein „ziemliches Ungleichgewicht“. Der Bankchef schlägt hier den Bogen zum Baseler Eigenkapitalakkord im Allgemeinen und verweist auf die Implementierungs-Diskrepanz zwischen Europa und den USA. „In einer globalisierten Welt darf das auf Dauer nicht so funktionieren.“

Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der LBBW ist in Sachen Bankenregulierung das letzte Wort noch nicht gesprochen. Er richtet im Handelsblatt-Interview einen indirekten Appell an den neuen Bundesfinanzminister: „Hier wird Herr Schäuble mitwirken müssen an einer Veränderung des Weltfinanzsystems. Angesichts der Erfahrungen, die für alle Regierungen erschütternd waren, haben wir heute glücklicherweise einen höheren Willen zur Veränderung als in der Vergangenheit.“

 


Tags: , , , ,

Keine Kommentare möglich.