Eigenkapitalregeln: Bundesbank agiert als Lobbyist der deutschen Finanzinstitute

4. November 2009 | Von | Kategorie: Top News

papers_crossDas Handelsblatt attestiert den Bemühungen der Bundesbank in Sachen künftiger Kernkapitaldefinition eine offenbar ambivalent zu bewertende Öffentlichkeitswirksamkeit.
„Lautes Gezerre um die stillen Einlagen der Kreditinstitute“, so die Überschrift über dem entsprechenden Beitrag. Das künftig mit der Bankenaufsicht betraute Institut will weiter um eine großzügige Anerkennung hybriden Kapitals bei den neuen Eigenkapitalvorschriften für deutsche Banken kämpfen. „Wir bleiben dabei“, so das Credo von Bundesbankdirektor Erich Loeper. Seinen Aussagen zufolge stehe Deutschland im Rahmen des Baseler Ausschusses mit diesen Plänen jedoch isoliert da. Durch die „Opposition“ der Bundesbank bei dieser Thematik wird für das Handelsblatt verdeutlicht, „welche drastischen Auswirkungen der heimischen Branche durch die bisherigen Vorgaben der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) drohen.“

„Das wird die schwerwiegendsten Auswirkungen auf Banken haben“, so die Warnung Loepers vor einer möglichen Aberkennung stiller Einlagen bei der künftigen Berechnung des Kernkapitals. „Wir von der Bundesbank haben hier ein Problem“, machte der Bundesbankdirektor auf einer Handelsblatt-Veranstaltung in Mainz weiter klar. In seinem Bericht verdeutlicht das Blatt folgend die zu erwartenden Problemstellungen für den deutschen Bankensektor. So rechne der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mit dem Wegfall von Eigenkapital in hoher zweistelliger Milliardenhöhe. Auch der Bankenverband BdB zeigt sich wenig begeistert: BdB-Geschäftsführer Dirk Jäger deutet auf der Veranstaltung an, dass es in diesem Falle zu einer Einschränkung der Geschäftsmodelle kommen könne.

Nach Aussagen Loepers dürften die international bereits beschlossenen Pläne zur Eigenkapitalunterlegung von Handelsbuch-Positionen und Verbriefungsstrukturen die Eigenmittelanforderungen an Banken in diesem Bereich im Mittel in etwa verdoppeln. Das Handelsblatt merkt an, dass es in der Bundesbank Bedenken gebe, dass zu viele Regulierungsthemen parallel angegangen werden. Viele Kritiker monierten, derzeit werde im Baseler Ausschuss an zu vielen Schrauben gleichzeitig gedreht, wird Loeper wiedergegeben. „Ich glaube, man muss diese Kritik sehr ernst nehmen.“

Als Beispiel für diese „fragwürdigen Maßnahmen“ im Bereich der Bankregulierung machte Loeper folgend die anvisierte, ergänzende Einführung einer Leverage Ratio aus. Es handele sich um ein Instrument aus der „Steinzeit“, weil es das immanente Risiko der Vermögenswerte auf der Bilanz außer Acht lasse. Das Handelsblatt gibt die Aussagen des Bundesbankdirektors dahingehend wieder, dass sich die Bundesbank in Basel mit ihrer Forderung durchsetzen konnte, „dass die Leverage Ratio zunächst als unverbindliche Vorgabe im Basel II-Regulierungswerk verankert werde“. Auch Bundesbank-Vize Franz-Christoph Zeitler hatte sich erst vor kurzem zur “Oppositionsrolle” der Institution im Baseler Ausschuss geäußert (vgl. RMRG vom 30.10.).

Trotz der sicherlich verständlichen Sorgen in Sachen Kapitaldefinition, hinterlässt die fast gänzliche Übernahme der Positionen der deutschen Bankenlobby (vgl. RMRG vom 20.10.) durch die künftig als Aufsicht fungierende Bundesbank einen schalen Beigeschmack.

 


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2 Kommentare
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  1. [...] äußerst bankenfreundliche Positionierung der Bundesbank beim Thema Regulierung berichtet (vgl. RMRG vom 4.11.). Tags: Axel Weber, Basel II, BayernLB, Bundesbank, Finanzmarktregulierung, G20, HVB, Leverage [...]

  2. [...] die Leverage Ratio zunächst als unverbindliche Vorgabe im Basel II-Regelwerk verankert wird (vgl. RMRG vom 4.11.). Es scheint jedoch sicher, dass das Eigenkapitalregelwerk künftig um diese Begrenzung ergänzt [...]