Bankenchefs warnen vor übereilter Regulierung / Weber signalisiert Unterstützung

5. November 2009 | Von | Kategorie: Top News

handIm Rahmen des dritten Bayerischen Finanzgipfels in München haben verschiedene Vertreter der Bankenbranche vor einer übereilten Verschärfung der Eigenkapitalregeln und einer Überregulierung des Sektors im Allgemeinen gewarnt.
„Neue Regeln müssen mit einem wohlüberlegten Zeitplan in Kraft treten“, erklärte BayernLB-Chef Michael Kemmer. Die jetzige Konjunkturphase sei nicht der richtige Zeitpunkt für striktere Regeln. Banken seien derzeit nicht in der Lage, innerhalb kürzester Zeit ihr Kernkapital zu verdoppeln. Dies könne einen Konjunkturaufschwung erschweren, pflichtete HVB-Chef Theodor Weimer bei. Dennoch räumte Kemmer ein, dass der Ruf nach höherer Eigenkapitalausstattung verständlich sei.

Am Punkt der neuen Kernkapitaldefinition im reformierten Basel II wiederholte der BayernLB-Chef die bereits bekannten Positionen der Landesbanken. So sollten die für die Institute wichtigen stillen Einlagen als hartes Eigenkapital gewertet werden. „Alles andere wäre eine inakzeptable Benachteiligung einer ganzen Bankengruppe“, mahnte Kemmer. Diese Einlagen seien dem eingezahlten Eigenkapital ebenbürtig. Ebenso nichts neues war zum Thema Leverage Ratio zu hören: Nach Bericht der Börsen-Zeitung lehnte Kemmer auch diesen Regulierungsschritt ab. „Banken würden dann tendenziell angehalten, riskantere Engagements einzugehen.“ Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil sprang den Bankenvertretern bei und warnte davor, dem Finanzsystem ein zu enges Korsett anzulegen (Quellen: Börsen-Zeitung, Handelsblatt, Reuters).

Derweil hat Bundesbankpräsident Axel Weber seine Haltung in Sachen Neugestaltung der Eigenkapitalregeln im Rahmen einer Rede in Luxemburg erneut verdeutlicht. Man begrüße die Forderung der G20, Qualität und Quantität des Eigenkapitals zu erhöhen, sobald sich das Finanzsystem nachhaltig stabilisiert habe. „Gleichwohl sollten wir davon Abstand nehmen, die Märkte mit Zeitplänen zu beunruhigen“, mahnte Weber. „Hinsichtlich der Einführung einer Leverage Ratio befürchten wir Wettbewerbsverzerrungen, vor allem wegen der Unterschiede bei den Bilanzierungsstandards. [...] Wir begrüßen daher den Plan, dieses nicht-risikosensitive Instrument zumindest vorläufig bei der zweiten Säule von Basel II einzuordnen“, zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires Weber. Erst gestern hatten wir über die äußerst bankenfreundliche Positionierung der Bundesbank beim Thema Regulierung berichtet (vgl. RMRG vom 4.11.).

 


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  1. [...] „dass [...] stille Einlagen nur noch 15 Prozent des Kernkapitals ausmachen dürfen“ (vgl. u.a. RMRG vom 5.11.). Tags: Basel II, Baseler Ausschuss, Kernkapitaldefinition, [...]