Bundesbank differenziert Kritik an Leverage Ratio

13. November 2009 | Von | Kategorie: Top News

artikelDie Bundesbank rückt offenbar von ihrer Pauschalkritik an einer festen Verschuldungsgrenze für Banken ab.
Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires berichtet über Ausführungen von Bundesbankpräsident Axel Weber zu den vom Baseler Ausschuss anvisierten Änderungen beim Eigenkapitalregelwerk für Banken. Die von dem Gremium vorgeschlagene Leverage Ratio in Ergänzung zu Basel II unterzog Weber dabei einer differenzierteren Kritik als gewohnt. Er erkannte der Kennzahl zumindest einen „informativen Wert“ zu, der in wirtschaftlichen Aufschwungphasen einem überhitzten Kreditvergabewachstum entgegenwirken könnte. „Ihre Anwendung in Säule 2 von Basel II und ihre Überführung als verbindliches Maß in Säule 1 von Basel II erfordern jedoch eine vorherige umfangreiche und angemessene Überprüfung und Kalibrierung“, wird Weber im Bericht zitiert. Er spielt damit auch auf die Tatsache an, dass sich die Bundesbank in Basel vorerst mit ihrer Forderung durchsetzen konnte, dass die Leverage Ratio zunächst als unverbindliche Vorgabe im Basel II-Regelwerk verankert wird (vgl. RMRG vom 4.11.). Es scheint jedoch sicher, dass das Eigenkapitalregelwerk künftig um diese Begrenzung ergänzt wird. So hatte der Chef der slowenischen Zentralbank und EZB-Ratsmitglied, Marko Kranjec, erst gestern auf diesen zu erwartenden Regulierungsschritt hingewiesen (vgl. RMRG vom 11.11.).

Dennoch wies Bundesbank-Chef Weber im Rahmen seiner Rede in Hohenheim erneut auf die Problematik der zugrundeliegenden, unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards bei der Ermittlung der Leverage Ratio hin. Solange die Bilanzsumme nach US-GAAP deutlich anders berechnet werde als nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS), würde die feste Verschuldungsobergrenze in Säule 1 von Basel II zu gravierenden Wettbewerbsverzerrungen führen. „Man würde Äpfel mit Birnen vergleichen“, zitiert Dow Jones Newswires den Bundesbankpräsidenten. Zudem solle die Reform der Kapitalregulierung nach Ansicht Webers erst dann eingeführt werden, wenn die wirtschaftliche Erholung sichergestellt sei.

 


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