PwC: Basel II-Reform als Kostentreiber für Banken

22. Dezember 2009 | Von | Kategorie: Top News

boezNach Meinung der Experten von PriceWaterhouseCoopers (PwC) könnte die Basel II-Reform die Finanzinstitute teuer zu stehen kommen.
So müssen sich die Banken „wohl auf einen hohen Umstellungsaufwand ihrer Systeme insbesondere im Bereich der Liquiditätsregulierung einstellen“, wird Burkhard Eckes, Leiter des Bereichs Banking and Capital Markets bei PwC, in der Börsen-Zeitung wiedergegeben. Den jüngsten Vorlagen des Baseler Ausschusses zufolge wird künftig die Fähigkeit von Banken gemessen, genügend liquide Mittel vorzuhalten, um in einer Krise allen Zahlungsverpflichtungen über 30 Tage nachzukommen. „Welche Werte als flüssige Mittel gelten sollen, wird dabei noch zu klären sein“, so die Börsen-Zeitung. Während sich Deutschland im Gremium hier für eine weitgefasste Definition ausgesprochen habe, plädiere Großbritannien für ein enges Verständnis des Liquiditätsbegriffes. Nach PwC-Analyse könnten diese Vorgaben zur Liquiditätshaltung die Kreditvergabe möglicherweise hemmen. Die Regelungen könnten dazu führen, „dass Banken verstärkt in hochliquide Finanzinstrumente investieren, um den Zahlungsverpflichtungen im Stressszenario nachzukommen anstatt Unternehmen mit langfristigen Krediten zu versorgen“, wird ein weiterer PwC-Experte zitiert.

Die Börsen-Zeitung konkretisiert die Aussage des Experten: „Schon die Aussicht auf die Baseler Regeln droht einer Verknappung von Darlehen Vorschub zu leisten zu einer Zeit, in der etwa der deutsche Staat eigens einen Kreditmediator eingesetzt hat, um ihr vorzubeugen.“ Nach Meinung von Burkhard Eckes ist daher vor einer finalen Festsetzung der Regeldefinition nun die geplante Auswirkungsstudie des Baseler Ausschusses entscheidend. Damit könne die „Unsicherheit“ der Finanzinstitute ausgeräumt werden und infolge dessen, eine mögliche Kreditklemme verhindert werden.

„Banken sehen geplante Regulierungsauflagen zurückhaltend“, so die zusammenfassende Überschrift des Anlegerblatts „Euro am Sonntag“ zur Reaktion auf die jüngsten Vorlagen des Baseler Ausschusses. „Wir müssen uns das erst einmal genau ansehen“, habe es unisono bei Instituten wie der Commerzbank, der Deutschen Bank oder beim Immobilienfinanzierer Aareal geheißen. Nach Ansicht des Blattes könnte die neue Kernkapitaldefinition in Basel II gerade die Commerzbank und die Aareal Bank treffen, da diese staatliche Kapitalhilfen als stille Einlagen erhalten hätten. Diese könnten unter Umständen nicht mehr zu neuen, „harten“ Kernkapital gerechnet werden – die entsprechenden Details sind jedoch noch vakant. Im zweiten Teil des Beitrags wird auf die neuerliche Kritik des Bankenverbands BdB an einer ergänzenden Leverage Ratio verwiesen. „Diese Regelung konterkariert die risikobasierte Ausrichtung der Eigenkapitalregeln“, wird BdB-Geschäftsführer Manfred Weber zitiert. Dem Bericht zufolge hätten die Bankenverbände dennoch die Regelvorschläge aus Basel begrüßt – würden jedoch die konkrete Ausgestaltung noch abwarten wollen.

Weitere Reaktionen der Wirtschaftspresse zu den Vorlagen des Baseler Ausschusses lesen sie in unserem Beitrag vom 21.12..

 


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