Handelsblatt: Regulierung der Ratingagenturen reicht nicht aus

6. Januar 2010 | Von | Kategorie: Regulierung

papers5„Aufseher zementieren die Macht der Ratings“, so die zusammenfassende Überschrift eines aktuellen Handelsblatt-Kommentars.
Nach Ansicht von Autorin Yasmin Osman seien die Ratingagenturen – „trotz ihrer Mitschuld an der Finanzkrise“ – mächtig wie eh und je. Insbesondere durch das Eigenkapitalregelwerk Basel II seien die Agenturen in diese machtvolle Position gebracht worden, konstatiert Osman. „Die Bonitätsnoten bestimmen, mit wie viel Kapital eine Bank den Besitz von Krediten und Wertpapieren unterlegen muss. Vor allem bei komplexen, also verbrieften, Wertpapieren ist dieser Weg praktisch alternativlos.“ Es sei „beschämend“, dass sich an dieser Systematik bislang nichts geändert habe. Diese Tatsache sei der zögerlichen Haltung der Politik geschuldet. Statt Alternativen auszuloten, würden sich europäische und amerikanische Politiker in zaghaften Versuchen ergehen, die Ratingagenturen selbst besser zu kontrollieren.

„Ein bisschen mehr Offenlegung bei den Erträgen hier, ein bisschen mehr Transparenz bei den Analysemethoden da, Angestellte müssen gelegentlich rotieren [...]“, umreißt die Handelsblatt-Kommentatorin diese Regulierungsansätze im zweiten Teil ihres Beitrags. Damit werde man der Problematik jedoch nicht gerecht: „Des Pudels Kern ist das Geschäftsmodell: Die wichtigste Einnahmequelle von Ratingagenturen sind die Gebühren, welche die von ihnen benoteten Firmen zahlen. Ein Interessenkonflikt, der den scharfen Blick für das Risiko schon einmal trüben kann.“ Als effektive Lösung beschreibt Yasmin Osman eine Vorgehensweise, die darauf abzielt, die Ratingabhängigkeit aufzulösen. „Es wäre ein erster Schritt, wenn neben Ratings noch andere Risikokennziffern in die Berechnung der Kapitalunterlegung einfließen dürften. Etwa die Risikoprämien von Kreditderivaten, die oft zeitnah aktuelle Risikoerwartungen spiegeln. Selbst eigene Einschätzungen der Investoren könnten ein Faktor neben vielen sein“, betont die Kommentatorin.

 


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