Studien sehen drastisches Absinken der Kernkapitalquoten infolge der Basel II-Novelle

7. Januar 2010 | Von | Kategorie: Top News

ft_swUnter der Überschrift „Neue Risiken für Banken“ berichtet die Financial Times Deutschland über die Ergebnisse mehrerer Studien zu den Auswirkungen der ab 2012 greifenden, novellierten Basel II-Regeln.
Verwiesen wird dabei u.a. auf die deutlich verminderte Anrechenbarkeit latenter Steuern und Tochtergesellschaften auf das Kernkapital. Infolge dessen könnten die Kernkapitalquoten vieler Finanzinstitute „drastisch sinken“. So sieht das Brokerhaus MF Global für die Schweizer UBS eine mögliches Absinken von 7,2 Prozentpunkte auf eine Quote von 4,6. Für die Deutsche Bank wird nur noch eine Tier 1-Kernkapitalquote von 6,4 Prozent prognostiziert. Bislang hätten sich die Untersuchungen der Analysten zu den Basel II-Auswirkungen lediglich auf die Änderungen beim Hybridkapital konzentriert. Neue Studien von der Deutschen Bank, der Credit Suisse und von o.g. MF Global würden sich nun auch den „bislang vernachlässigten Aspekten“ widmen – insbesondere der verminderten Anrechenbarkeit des Kernkapitals von Tochtergesellschaften.

„Außerdem sollen latente Steuern künftig nicht mehr dem ,harten Kernkapital’ zugerechnet werden dürfen, sofern sie auf der Annahme künftiger Gewinne basieren“, erklärt die FTD im zweiten Teil ihres Beitrags zu den aktuellen Basel II-Auswirkungsstudien. „Die Anrechnung latenter Steuern wird kaum noch möglich sein. Dies wird große Auswirkungen auf Lloyds, die Royal Bank of Scotland (RBS) und die Commerzbank haben“, prognostizieren die Analysten von MF Global. Hintergrund dieser Einschätzung ist die Vermutung, dass diese Institute noch längere Zeit Verluste schreiben – „und zwar auch noch, wenn die neuen Regeln vermutlich 2012 in Kraft treten“.

Die „Financial Times“ thematisiert eine weitere Auswirkungsstudie zur Basel II-Reform – aus der Feder der Experten von Barclays Capital. Diese legen dabei das vom Baseler Ausschuss vorgeschlagene Szenario einer gesonderten, höheren Eigenkapitalunterlegung für systemrelevante Banken an. Diese rechnen mit einer um 2 Prozent erhöhten Mindestkernkapitalquote für so genannte „too big to fail“-Banken. Danach müssten beispielsweise die RBS und die irischen Großbanken Allied Irish und Bank of Ireland ihre Kapitaldecke dramatisch aufpolstern, um die neuen Anforderungen zu erfüllen.

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] von bis zu 300 Mrd. Euro entstünde, sollten die geplanten Regeln Realität werden (vgl. RMRG vom 7.1.). Die in Basel beschlossenen Erleichterungen betreffen unter anderem die Mehrheits- und [...]