Deutsche Bank-CFO: Seriöse Basel III-Kostenschätzung derzeit unmöglich

15. März 2010 | Von | Kategorie: Top News

boezIm ausführlichen Interview mit der Börsen-Zeitung äußert sich der Finanzchef der Deutschen Bank, Stefan Krause, zu den regulatorischen Herausforderungen für sein Institut.
„Absehbar ist bereits für Anfang 2011 die stärkere Eigenkapitalunterlegung von Handelsaktiva [...]“, so Krause, der jedoch mittelfristig schon das Regelwerk Basel III auf der Agenda hat. „Da geht es unter anderem um neue Gewichtungen bei den risikogewichteten Aktiva sowie um eine Neudefinition des Kerneigenkapitals.“ Kostenseitig sei für die Deutsche Bank hier noch keine seriöse Abschätzung möglich – eine Auswirkungsstudie laufe jedoch gerade. „Ich erwarte allerdings ein maßvolles Vorgehen der Regulatoren, auch mit Blick auf die Übergangsfristen“, so die Aussage des CFOs. Aktuell sieht Krause seine Bank eigenkapitalseitig gut aufgestellt, jedoch müssten hier die Faktoren der Sal. Oppenheim- und ABN Amro-Integration bedacht werden.

Weiter wird Krause gefragt, ob die Bank ihr Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern anpassen muss, wenn die neuen Baseler Eigenkapitalanforderungen in Kraft treten? Seine Antwort: „Da bewegen wir uns im Bereich der Spekulation. Natürlich ist es anspruchsvoller, 25 % Rendite bei einer Eigenkapitalquote von 12 % zu erzielen als bei einer Quote von 10 % – das ist eine einfache Rechnung. Aber solange wir die genauen Anforderungen nicht kennen, macht es wenig Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was sie für das Renditeziel bedeuten werden. Und zumindest solange bleibt es bei 25 %, wie wir auf der Jahrespressekonferenz bestätigt haben.“ In Bezug auf die noch zu definierende, ergänzenden Leverage Ratio in Basel III, fühlt sich Krause mit „einem Hebel von 23 wie Ende 2009“ derzeit auf der sicheren Seite. „Die Erwartungen, die an diese Kennzahl geknüpft werden, sind allerdings weit überzogen.“

Der Deutsche Bank-CFO weist im zweiten Teil des Interviews mit der Börsen-Zeitung darauf hin, dass die Betrachtung einer festen Verschuldungsgrenze infolge unterschiedlicher Bilanzierungsstandards problematisch ist. Aufgrund des transatlantischen Unterschieds zwischen IFRS und US-GAAP sei die Aussagekraft einer Leverage Ratio gering. Hier müsse es zu einer vergleichbaren Grundlage kommen. „Aber unabhängig davon: Basel II ist ja gerade insofern ein intelligentes System, als zwei Banken, die die gleiche Bilanzsumme haben, sich aber in der Risikoträchtigkeit ihrer Aktiva unterscheiden, bei der Kapitalanforderung eben nicht in einen Topf geworfen werden. Anleger und Kunden können leicht in die Irre geleitet werden, wenn diese beiden Banken aufgrund einer übereinstimmenden Leverage Ratio gleichgesetzt werden“, merkt Krause an.

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] im zweiten Teil seines FTD-Gastbeitrags (vgl. u.a. Interview von Deutsche Bank-CFO Stefan Krause / RMRG vom 15.3.). Hier werde jedoch vergessen, „dass es im ureigenen deutschen Interesse liegt, unsere Banken [...]