Übersehene Aspekte bei der Regulierung systemrelevanter Banken

23. März 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers_crossEin neuer regulatorischer Leitfaden und eine aktuelle Analystenstudie zeigen neue Aspekte bei der Neuregulierung von Großbanken auf.
Vor dem Hintergrund der Debatte um die regulatorische Adressierung der „too big to fail“-Problematik des Bankensektor, weisen die Analysten von JP Morgan darauf hin, dass absolute und relative Größenverhältnisse allein betrachtet wenig aussagekräftig sind. Die vergleichsweise „winzige“ Investmentbank Lehman Brothers wurde aufgrund ihrer vielen Verbindungen ins globale Finanzsystem zum Stresstest für die internationale Finanzwelt. Die zahlreichen Bankschließungen in den USA zeigten auf, dass die Hauptfaktoren immer etwa die gleichen seien: „Verschuldungsgrad, kurzfristige Finanzierung längerfristiger Verpflichtungen und Probleme im Risikomanagement“. Das Branchenblatt „Schweizer Bank“ merkt dazu an: „Zwar werden jetzt, auch mit Blick auf das Basel III-Regelwerk, Regeln für den Verschuldungsgrad diskutiert. Doch die Frage der Finanzierung hat bisher erst Neuseelands Notenbank durchgespielt. Und eine Quantifizierung des Risikomanagements ist nicht einfach.“

„Big can (also) be beautiful“, so das Credo der JP Morgan-Analysten. Viel aussagekräftiger als ein Vergleich mit dem Bruttoinlandprodukt wäre danach ein Vergleich der Bankbilanzen mit dem Wachstum der anderen Großfirmen oder der Kapitalmärkte. „So überstieg das Bilanzwachstum der Fortune-500-Konzerne in den USA dasjenige der Banken in den letzten zehn Jahren um 2 Prozentpunkte.“ Auch etliche wichtige Kapitalmärkte wie das M&A-Geschäft oder das syndizierte Kreditgeschäft wuchsen seit 2000 ebenfalls stärker als die Bankbilanzen.

Derweil hat der Baseler Ausschuss vergangene Woche einen Leitfaden zum künftigen Umgang mit systemrelevanten Großbanken vorgelegt. Damit sollten jene Institute besser kontrolliert werden, die bei einem Kollaps das gesamte Finanzsystem mit sich reißen könnten, teilte das Gremium mit. Eine Umsetzung der Empfehlungen verspräche deutliche Fortschritte im Umgang mit Risiken durch die Großbanken, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Nout Wellink. So sollen die nationalen Behörden rechtzeitig einschreiten können, um die zentralen Funktionen einer Bank aufrechterhalten zu können. Dabei ist u.a. eine Überarbeitung des Insolvenzrechts und das Schaffen von Befugnissen zur Zwangsreorganisation von Instituten angedacht. „Beispiele sind Überbrückungslösungen (sogenannte Bridge Banks), die Anordnung eines Transfers von Aktiva oder Verbindlichkeiten oder ganzer Geschäftsbereiche auf andere Institute sowie klare Verfahren zur Behandlung von Gläubigeransprüchen“, erklärt die Börsen-Zeitung.

Der Leitfaden des Baseler Ausschusses ist unter folgendem Link abrufbar: http://www.bis.org/publ/bcbs169.pdf?noframes=1

 


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