Banken präsentieren vor EU-Parlament „Horror-Szenario“ zu Basel III-Auswirkungen

4. Mai 2010 | Von | Kategorie: Top News

handEine Anhörung des Europaparlaments zu möglichen Auswirkungen verschärfter Eigenkapitalregeln für Banken steht im Mittelpunkt der Berichterstattung der heutigen Wirtschaftspresse.
Unisono sehen dabei Financial Times Deutschland und Handelsblatt die Lobbyarbeit der Bankenbranche als Ursache der jüngsten Erwägungen des Parlaments, die Einführung verschärfter Regeln – zumindest in Teilen – zeitlich zu verschieben. „Lobby bringt EU-Parlament auf Linie“, so die Überschrift der FTD, die ihren Beitrag zudem mit einem, mit Einschusslöchern durchsiebten „Basel III“-Schild illustriert. „Widerstand gegen Reform wächst“, titelt das Handelsblatt und fasst zusammen: „Banken wettern gegen die Aufsichtsreform Basel III. Sie finden zunehmend Gehör in der Politik.“ Selbst die branchennahe Börsen-Zeitung bewertet die von Bankenvertretern vor dem EU-Parlament ausgeführten Warnungen als „schrill“. Verwiesen wird dabei auf die Aussagen des Chefs der österreichischen Erste Group, Andreas Treichl, der betonte, das eine massive erhöhte Eigenkapitalvorhaltung unter Basel III eine Rezession auslösen werde, „die die letzte Krise wie ein Schlaraffenland aussehen lassen wird.“ Auch die FTD gibt die alarmistischen Aussagen Treichls wieder, der vor einer Verknappung des Kreditangebots für die mittelständische Wirtschaft in Deutschland, Österreich und Osteuropa warnte. „Wir müssten mehr Kapital und Liquidität für einen Kredit an einen mittelständischen Betrieb vorhalten als für einen Kredit an Griechenland“, monierte der Bankgruppen-Chef.

Barbara Frohn, Risikomanagerin bei der spanischen Großbank Santander, sagte eine Verknappung von Hypothekenkrediten voraus. Als „einseitig“ und „voreilig“ kritisierte Masayuki Oku, Chef des japanischen Bankenverbandes (JBA) und Präsident von Sumitomo Mitsui, Basel III. „Japans Banken hätten keinen Anteil an der Finanzkrise gehabt“, fasst das Handelsblatt Okus Aussagen zusammen. Nach FTD-Meinung entwarfen die Banker „regelrechte Horrorszenarien“. Die Börsen-Zeitung meint lediglich „von Skepsis geprägte“ Reaktionen der Bankenbranche auszumachen.

Aus Reihen des EU-Parlaments wächst nun der Widerstand gegen das Regelwerk Basel III. Der Abgeordnete Othmar Karas forderte, dass die EU-Kommission nun die Folgen der neuen Regularien für die Realwirtschaft untersuchen müsse, ehe der Baseler Ausschuss seine Entscheidung treffe. „Das Parlament will sich in die Tätigkeit des Baseler Ausschusses einmischen, weil manches in die falsche Richtung läuft“, kündigte Karas laut Börsen-Zeitung an. „Die Ziele sind unstreitig, aber es droht eine Ungleichbehandlung der europäischen Retailbanken gegenüber amerikanischen Investmentbanken“, gibt die FTD Karas’ Einschätzung wieder. Dieser wolle nun einen eigenen Gegenentwurf vorlegen.

 


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3 Kommentare
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  1. [...] Auf der Titelseite seiner heutigen Ausgabe berichtet das „Wall Street Journal Europe“, dass die Implementierung der Basel III-Eigenkapitalregeln für den Bankensektor über längere Transformationsfristen erleichtert werden könnte. Dabei beruft sich das Blatt auf informierte Kreise. Die internationalen Regulatoren würden derzeit auf einen Kompromiss hinsteuern, der zwar einerseits strikte Anforderungen an das Eigenkapital der Finanzinstitute vorsehe, andererseits jedoch – als Zugeständnis an die Branche – einen späteren Einführungszeitpunkt für die Regularien vorsieht. Das Blatt spricht dabei über eine graduiertere Implementierungsphase über das Jahr 2012 hinaus. Hintergrund seien in erster Linie die Einwände Japans, Deutschlands und Frankreichs, die auf eine langsamere Regelumsetzung gedrängt hätten – aus Sorge vor signifikanten Kapitallücken im jeweiligen nationalen Bankensektor. Verwiesen wird zudem auf eine „intensive Lobby-Kampagne“ seitens der Banken, die das Argument einer möglicherweise eingeschränkten Kreditvergabe ins Feld führe (vgl. u.a. RMRG vom 4.5.). [...]

  2. [...] erklärte jüngst etwa der Chef der österreichischen Erste-Bank-Gruppe Andreas Treichl (vgl. RMRG vom 4.5.). Mit Spannung wird daher eine Pressekonferenz unter Anwesenheit Ackermanns erwartet, bei der heute [...]

  3. [...] In einem Beitrag der „Kleinen Zeitung“ wird Erste-CEO Andreas Treichl weiter dahingehend wiedergegeben, dass ausreichende Liquidität der zentrale Faktor für Banken sei, um Krisen zu überstehen. „Nächste Woche jährt sich zum zweiten Mal der Konkurs von Lehman Brothers. Lehman hat die Finanzkrise nicht ausgelöst, aber damals begann die dramatische Entwicklung an den Börsen. Lehman hatte damals ein Core-Tier-1-Kapital von 11 Prozent.“ Es sei also nicht mangelndes Eigenkapital, das die Weltwirtschaftskrise ausgelöst habe, so der als einer der eifrigsten Basel III-Kritiker bekannte Treichl (vgl. RMRG vom 4.5.). [...]