Chef des Baseler Ausschusses zu Basel III und Bankenabgabe / Postwendende Kritik der Banken

5. Mai 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers_ftIm Interview mit der Financial Times hat der Vorsitzende des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, vor dem negativen Effekt einer international diskutierten Bankensteuer auf die Regulierungsvorhaben seines Gremiums, hin zu schärferen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln, gewarnt.
Er sei zwar nicht prinzipiell gegen die Pläne für eine Abgabe, bezeichnet sie jedoch als „voreilig“. Zuerst sollte die Regelüberarbeitung durch Basel abgewartet werden, bevor ein solches Instrument eingeführt werde. Kritisch führt Wellink dazu aus: „I doubt whether this is a good idea. It’s born out of frustration. There are strong political motives behind it.“ Nach der Finalisierung des „Baseler Pakets“ könne man immer noch die zusätzliche Einführung einer Steuer oder Abgabe erwägen. Im FT-Gespräch verdeutlicht Wellink zudem, dass dem Ausschuss durchaus „Gegenwind“ aus Reihen der Banken entgegenschlage – jedoch die Unterstützung seitens der Politik noch nie so groß war, wie derzeit. Wellink wies die Kritik der Banken an der aktuell laufenden Basel II-Reform zurück. Das weltweite Wachstum werde nach Einschätzung von Ökonomen, die dem Ausschuss zuarbeiten, durch die neuen Regeln höchstens um 0,5 bis 1 Prozent gebremst. „Wenn das der Preis ist, um ein widerstandsfähiges Bankensystem zu bekommen, dann ist dieser Preis angesichts dessen, was hinter uns liegt, nicht zu hoch.“

Das Fachportal „Risk.net“ fasst dazu heute Stimmen von Bankenvertretern zusammen, die sich an dieser ökonomischen Einschätzung stoßen. „I don’t know how you can know that. We don’t know the levels and we don’t know the details, so it’s difficult to have a deep understanding of the effects“, wird der CRO einer europäischen Bank zitiert. Der bei einer US-Bank für die Basel II-Implementierung zuständige Manager merkt an: „The figure looks on the low side to me, unless Wellink is thinking of a significantly smaller or less severe package than that foreshadowed in their consultative paper.“ Interessant erscheinen zudem die Aussagen des Basel II-Programm-Chefs einer skandinavischen Bank: Dieser hatte bis vor wenigen Wochen damit gerechnet, dass man die Basel III-Finalisierung auf 2011 verschieben werde. Aber: „[...] then you see reports like these, with people saying it could hit growth by 0.5 to 1 percentage point. If that is the cost of stability, they will go for it. That’s quite a big threat and we’re not used to it – we had such a long time to calibrate Basel II.“ (weitere Quelle: Financial Times Deutschland)

 


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  1. [...] Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kontert die aus ihrer Sicht überzogenen Auswirkungseinschätzungen der Finanzinstitute zur Basel II-Reform. Die Financial Times Deutschland gibt dazu die Aussagen von BIZ-Chefvolkswirt Stephen Cecchetti wieder, der moniert, dass die Banken „Schreckensszenarien“ aufbauen würden. Seine klare Kritik: „Sie nehmen an, sich überhaupt nicht an die neuen Regeln anzupassen, und dass das Ergebnis für die Wirtschaft das Schlimmstmögliche sein wird.“ Das Blatt verweist zudem auf jüngste Anmerkungen des Vorsitzenden des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, der ebenfalls die Banken-Szenarien zu möglichen Auswirkungen von Basel III zurückgewiesenen habe. Das weltweite Wachstum werde höchstens um 0,5 bis 1 Prozent gebremst, so Wellink: „Wenn das der Preis ist, um ein widerstandsfähiges Bankensystem zu bekommen, dann ist dieser Preis angesichts dessen, was hinter uns liegt, nicht zu hoch.“ (vgl. RMRG v. 5.5.) [...]