Basel III-Einführung wird offenbar verschoben

4. Juni 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3Auf der Titelseite seiner heutigen Ausgabe berichtet das „Wall Street Journal Europe“, dass die Implementierung der Basel III-Eigenkapitalregeln für den Bankensektor über längere Transformationsfristen erleichtert werden könnte.
Dabei beruft sich das Blatt auf informierte Kreise. Die internationalen Regulatoren würden derzeit auf einen Kompromiss hinsteuern, der zwar einerseits strikte Anforderungen an das Eigenkapital der Finanzinstitute vorsehe, andererseits jedoch – als Zugeständnis an die Branche – einen späteren Einführungszeitpunkt für die Regularien vorsieht. Das Blatt spricht dabei über eine graduiertere Implementierungsphase über das Jahr 2012 hinaus. Hintergrund seien in erster Linie die Einwände Japans, Deutschlands und Frankreichs, die auf eine langsamere Regelumsetzung gedrängt hätten – aus Sorge vor signifikanten Kapitallücken im jeweiligen nationalen Bankensektor. Verwiesen wird zudem auf eine „intensive Lobby-Kampagne“ seitens der Banken, die das Argument einer möglicherweise eingeschränkten Kreditvergabe ins Feld führe (vgl. u.a. RMRG vom 4.5.).

Im zweiten Teil des Berichts werden stellvertretend die Einwände seitens der Bank of America gegen den vom Baseler Ausschuss aufgestellten Basel III-Fahrplan angeführt: „In combination, the proposals will inevitably reduce credit availability, increase the cost of borrowing and lead to slower economic growth.“ So sei die vorgegebene Implementierungsphase von zwei Jahren zu eng gesetzt. Folgend wird auf die von den Banken gelieferten Datensätze hingewiesen, auf dessen Basis der Baseler Ausschuss die für die Finalisierung der Regularien entscheidende Auswirkungsstudie durchführt. Die daraufhin kommunizierten Warnungen der Finanzinstitute vor Kapitalengpässen würden von einigen Regierungsoffiziellen zwar als überzogen angesehen – dennoch habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die entstehenden Kapital- und Liquiditätslücken zu groß werden könnten, als dass die Banken ebendiese schnell auffüllen könnten.

Abschließend merkt das WSJE an, dass Deutschland, Japan und Frankreich auf ein 10-jähriges Zeitfenster zur Basel III-Implementierung gedrängt haben – und nun auch Vertreter der USA und Großbritanniens eine abgestufte Einführung unterstützen würden. „I’m perfectly comfortable with us negotiating a reasonable transition period to help make people more comfortable that they can live with those new standards“, wird dazu eine kurz vor dessen Abreise zum G20-Gipfel im südkoreanischen Busan formulierte Aussage von US-Finanzminister Timothy Geithner wiedergegeben. Schon beim Zeitpunkt der Einführung höherer Eigenkapitalunterlegungen für Handelsbuchrisiken hatten sich Geithner und EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier jüngst auf einer zeitliche Verschiebung geeinigt (vgl. RMRG vom 17.5.).

 


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