IIF-Frühjahrstagung mit Basel III als Top-Thema

10. Juni 2010 | Von | Kategorie: Top News

baselkommMehrere Zeitungen blicken auf die Frühjahrstagung des internationalen Bankenverbands IIF in Wien und setzen sich in diesem Kontext kritisch mit der Lobby-Arbeit der Branche gegen Neuregulierungen auseinander.
So meint „Die Presse“ zu erkennen, dass diese Arbeit „wie am Schnürchen“ laufe. Denn vom europäischen Rettungspaket für Griechenland hätten in erster Linie deutsche und französische Großbanken profitiert, da diese große Bestände an griechischen Staatsanleihen halten, die nun nicht abgewertet werden. Auch seien viele regulatorische Vorschläge abgeschwächt oder gar vollständig verhindert worden. Lediglich ein regulatives Vorhaben sei noch nicht entschieden – die verschärften Eigenkapitalregeln Basel III. Diese stünden daher im Mittelpunkt des IIF-Treffens unter Leitung von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Die Branche „laufe Sturm“ gegen die Pläne des federführenden Baseler Ausschusses. „Basel III wird dramatische Folgen haben. Das wird eine Rezession auslösen, die die letzte Krise wie ein Schlaraffenland aussehen lässt“, erklärte jüngst etwa der Chef der österreichischen Erste-Bank-Gruppe Andreas Treichl (vgl. RMRG vom 4.5.). Mit Spannung wird daher eine Pressekonferenz unter Anwesenheit Ackermanns erwartet, bei der heute eine Studie über die Auswirkungen der globalen Finanzmarktregulierung auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung vorgestellt werden soll.

Nach Bericht des „Standard“ sieht der Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Walter Rothensteiner, in dem IIF-Treffen eine Chance, die europäischen Eigenheiten des Bankensektors gegenüber dem amerikanischen vor internationalem Publikum darstellen zu können – gerade im Hinblick auf die Ausgestaltung der neuen Eigenkapitalanforderungen. „Europa hat in der Kundenfinanzierung eine andere Basis als die USA“, so Rothensteiner. In den USA werde massiv über die Kapitalmärkte finanziert, in Europa hingegen zu über 70 Prozent über Kredite. Nach Meinung des RZB-Chefs ist es derzeit noch zu früh, um abzuschätzen, was tatsächlich am Ende des Basel III-Prozesses stehe. „Das Ganze auf europäisch hinzutrimmen, müsste bereits im Basel-Ausschuss passieren“, merkt der Banker an. Es sei klar, dass von den Banken höheres Eigenkapital vorgehalten werden müsse. „Es wird nächstes Jahr eine Lösung herauskommen, mit der wir alle leben müssen.“

Derweil berichtet das Handelsblatt über die Stimmungslage zum Auftakt der IIF-Tagung. „Bankmanager sind moll gestimmt“, so die analysierende Überschrift der Zeitung. Man verweist auf Sorgen der Banker, dass die Probleme der Staatsschulden die Kreditinstitute weltweit wieder schwer in Bedrängnis bringen könnten. „Der Kollaps einer großen Bank wie der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers könne sich wiederholen“, heißt es.

 


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