Basel III: Chef des Baseler Ausschusses zeigt Kompromissbereitschaft

11. Juni 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers13Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires berichtet heute über aktuelle Aussagen des Vorsitzenden des Baseler Ausschusses, Nout Wellink, wonach das Gremium bereit ist, der Bankenbranche bei den Übergangsfristen zur Implementierung von Basel III entgegen zu kommen.
Jedoch müssten die neuen Kapitalstandards und Mindestanforderungen im Regelwerk unangetastet bleiben. „Where there are trade-offs, these should go in the direction of giving banks more time to reach the new standards, rather than watering down the standards themselves“, so Wellink im Rahmen der Wiener IIF-Frühjahrstagung. Weiter ließ das EZB-Ratsmitglied jedoch auch bei der noch ausstehenden Regeldefinition von Basel III eine gewisse Kompromissbereitschaft durchblicken: „We realize we may have to compromise on certain elements.“ Diese Äußerung zielte dem Bericht zufolge auf die neue Kernkapitaldefinition ab.

Derweil steht die mit Spannung erwartete, gestern vom internationalen Bankenverband IIF vorgestellte, Studie zu möglichen Regulierungsauswirkungen im Mittelpunkt der heutigen Presseberichterstattung. So titelt die Schweizer „HandelsZeitung“: „Spitzenbanker kritisieren nationale Alleingänge bei Reformen“ – das Handelsblatt fasst zusammen: „Verband rechnet vor: Regulierung kostet fast zehn Millionen Jobs“. Kritischer formuliert die Financial Times Deutschland: „Banklobby nimmt Kunden in Geiselhaft“ – und verweist auf die Andeutung des Verbandes, das man die erhöhten Kapitalkosten an die Kunden weitergeben könnte. Der IIF rechnet damit, dass eine zu schnelle Umsetzung von Basel III das Wirtschaftswachstum in den USA, der Euro-Zone und Japan bis 2015 um drei Prozent niedriger ausfallen lassen würde. Gleichzeitig würden rund 9,7 Mio. neue Arbeitsplätze weniger entstehen. Die Finanzinstitute müssten bis 2015 rund 700 Mrd. Dollar über Kapitalerhöhungen aufnehmen, hinzu kämen langfristige Schuldtitel über 5,4 Billionen Dollar. Vor diesem Hintergrund verdeutlichte der Vorsitzende des IIF-Gremiums für Regulierungsfragen, Peter Sands, dass man sich neuen Regularien für die Branche nicht verweigere, jedoch gebe es „einen Preis“ für ein „sichereres und stabileres System“.

In einem Kommentar zur IIF-Regulierungsstudie sieht „Der Standard“ die Banken an vielen Punkten ihrer Analyse „über die Stränge schlagen“. „Die Banker beziehen in ihre Aufstellung nicht nur Auswirkungen von Basel III ein, sondern auch gleich die Kosten diverser Bankenabgaben“, so die Begründung. Auch die Berechnungen für Basel III-Kapitalanforderungen für 10 Jahre im voraus seien wenig plausibel. Daher das Fazit des Kommentars: „Die Wahrheit ist, dass heute noch niemand die genauen Auswirkungen von Basel III kennt. Angesicht der Krise ist nicht weitere Panikmache, sondern seriösere Faktenaufarbeitung gefragt.“

 


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2 Kommentare
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  1. [...] der Basel III-Regeln, den Banken entgegenkommen könnte, stoßen auf ein breites Pressecho (vgl. RMRG vom 11.6.). So titelt die Financial Times Deutschland kritisch: „Aufseher kuschen vor Bankenlobby“ – [...]

  2. [...] Erklärend merkt die FTD an, dass Experten wie der BIZ-Chefökonom Stephen Cecchetti die „Horrorszenarien“ der Bankenbranche zu den möglichen Basel III-Auswirkungen kritisieren und der Branche Meinungs- und Panikmache vorwerfen würden. Hier dürfte sich nach Ansicht des Blattes auch Josef Ackermann in seiner Funktion als Chef des Bankenverbandes IIF angesprochen fühlen: „Der Chef der Deutschen Bank hatte kürzlich vorgerechnet, dass die Reform weltweit bis zu 9,7 Mio. Arbeitsplätze gefährdet, wenn sein wie geplant umgesetzt wird.“ (vgl. RMRG vom 11.6.) [...]