Stresstest-Prozedere stresst Finanzinstitute und Bundesbank

2. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

stresstestsNach Meinung der Financial Times Deutschland konnten die Chefs der größten deutschen Banken in der Diskussion um die Behandlung künftiger Bankenstresstest-Ergebnisse einen „Teilsieg“ gegen die Politik erzielen.
Demnach hat Bundesbank-Präsident Axel Weber beim Treffen mit den Bankchefs am Mittwoch, die Position der Institute gegen eine „vollständige und unkontrollierte“ Veröffentlichung der Ergebnisse gestützt. So kündigte er Widerstand gegen den Plan an, das Ausmaß der Veröffentlichungen allein dem Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS) zu überlassen – die Publikation der Ergebnisse an sich befürworte Weber. Die Bundesbank ist selbst auch im CEBS vertreten. Das Blatt sieht darin ein klare Kehrtwende Webers – deren Motivation derzeit unklar sei. Gefährde er damit doch auch seine Aussichten auf die Nachfolge von Jean-Claude Trichet im Amt des EZB-Präsidenten. „Ein Grund könnte sein, dass er das CEBS für ungeeignet hält, einen so sensiblen Prozess wie den Stresstest zu managen“, so die Mutmaßung. Auch die Börsen-Zeitung berichtet über Details des Gesprächs zwischen Bankenvertretern, Bundesbank und BaFin. So heißt es: „Richtig ist, dass sich bei dem Treffen in der Bundesbank kein Bankenvertreter getraut hat, aufzustehen und mit den Worten ‚ohne mich’ die Runde vorzeitig zu verlassen.“ Dennoch gebe es unter den Bankern die Überzeugung, dass der Prozess „in die falsche Richtung laufe“. Denn es werde nach Informationen des Blattes offensichtlich, dass das Prozedere „in starkem Maße von dem nicht zuletzt mit Regierungsvertretern besetzten europäischen Wirtschafts- und Finanzausschuss (WFA) gesteuert wird“. Dieser scheine den Takt vorzugeben. Informierte Kreise würden daher von „politischer Infiltration“ des CEBS sprechen.

Mittlerweile ist zudem zu vernehmen, dass der Widerstand der Finanzinstitute insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass bei der nächsten, schärfer formulierten Testrunde auch Szenarien der Ausfälle von Staatsanleihen angelegt werden sollen. „Wenn Annahmen getroffen werden, mit welcher Wahrscheinlichkeit EU-Staaten wie Spanien, Frankreich oder Griechenland ihre Schulden bedienen, werde das den Märkten nicht verheimlicht werden können – und sie wieder beunruhigen“, fasst das Handelsblatt heute die Befürchtungen der Bankenbranche zusammen. Auch die Bundesbank und die EZB hätten an diesem Punkt Probleme mit der Stresstest-Ausgestaltung, notiert die Börsen-Zeitung.

 


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