Grüne erhöhen Druck beim Thema „Leverage Ratio“

5. Juli 2010 | Von | Kategorie: Regulierung

leverageratioIn einem Gastbeitrag für die Financial Times Deutschland detailliert Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, seinen Plan zur Einführung einer nationalen Leverage Ratio für Banken (vgl. RMRG vom 22.6.).
Ein hoher Eigenkapitalpuffer deutscher Banken müsse Priorität deutscher Finanzmarktpolitik sein. „Ein Instrument dafür ist die Leverage Ratio [...].“ Sie fungiere als „Schuldenbremse für Banken, weil sie das kreditfinanzierte Bilanzwachstum limitiert“. Bislang würden Bundesregierung und Finanzaufsicht klar den Widerstand der Bankenbranche gegen dieses Instrument unterstützen. Diese würden bei den Basel III-Verhandlungen eine Leverage Ratio allenfalls als unverbindliche Beobachtungsgröße akzeptieren, nicht aber als harte Schuldenbremse in Säule 1 des reformierten Basel II-Regelwerks.

„Ein wesentliches Argument der Bankenbranche wie der deutschen Verhandlungsführer ist dabei, dass die unterschiedlichen Rechnungslegungsstandards zu Nachteilen bei europäischen Banken gegenüber US-amerikanischen Instituten führten“, so Schick im zweiten Teil seines FTD-Gastbeitrags (vgl. u.a. Interview von Deutsche Bank-CFO Stefan Krause / RMRG vom 15.3.). Hier werde jedoch vergessen, „dass es im ureigenen deutschen Interesse liegt, unsere Banken stabil zu machen“, so Schick. Andere Länder hätten die krisendämpfende Wirksamkeit der Leverage Ratio belegt. „War nicht Kanada, das seit Langem eine strikte Schuldenbremse für seine Banken hat, kaum von der Finanzkrise betroffen?“ Auch die Schweiz habe als Krisenkonsequenz eine feste Verschuldungsgrenze für die dortigen Großbanken verankert. Nach Schicks Ansicht hätte die Pleite der Hypo Real Estate (HRE) mit einer Leverage Ratio verhindert werden können.

Abschließend kritisiert der Grünen-Finanzexperte die bankinterne Risikomodellierung mit klaren Worten. „Es wäre Hybris zu glauben“, dass die bankinternen Risikomodelle unter Basel II oder Basel III „irgendwann perfekt“ wären. Schick schlussfolgert: „Die logische Schlussfolgerung daraus ist, zusätzlich zur risikogewichteten Eigenkapitalunterlegung die Risiken zu begrenzen, die durch einen zu großen Verschuldungshebel entstehen.“ Diese beiden Ansätze „sollten so aufeinander abgestimmt sein, dass die Leverage Ratio vor allem in einer Aufschwungphase greift und dann das Bilanzwachstum limitiert sowie höhere Eigenkapitalpuffer erforderlich macht“.

 


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