S&P zwischen Selbstkritik und Vorwärtsverteidigung

6. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

ratingWohl erst zu dem Zeitpunkt, wenn die Macht der drei großen Ratingagenturen gebrochen und eine effektive Regulierung von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch implementiert ist, wird die mediale Kritik am Gebaren der Agenturen verstummen.
So blickt das Nachrichtenmagazin Focus in seiner aktuellen Ausgabe auf die Fehler der Agenturen im Zuge der Finanzmarktkrise zurück und bemängelt die noch immer ausstehende schärfere Regulierung. Doch auch die Ratingagenturen selbst, versuchen mit proaktiver Öffentlichkeitsarbeit ihre Argumente zu positionieren. So gibt sich der Chef der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), Deven Sharma, im Interview mit dem Handelsblatt selbskritisch aufgrund der Fehlbewertungen seines Hauses im Segment der US-Hypothekenverbriefungen. „In diesem Bereich haben wir tatsächlich mit unseren Annahmen gründlich danebengelegen und daher – wie wir heute wissen – strukturierte Subprime-Verbriefungen zu gut bewertet.“ Auf die Frage, ob es schlecht für das Geschäft der Ratingagenturen sei, dass sich Aufseher in den USA nach der dortigen Finanzmarktreform bei der Beurteilung von Banken künftig nicht mehr ausdrücklich auf Ratings beziehen sollen, antwortet Sharma: „Im Gegenteil. Wir plädieren schon lange dafür, dass unsere Ratings eben nicht von den Aufsehern als Kriterium für zum Beispiel die Eigenkapitalunterlegung der Banken herangezogen werden. Das haben wir auch schon ausdrücklich bei den unter dem Stichwort Basel II bekannten Eigenkapitalregeln der Banken gesagt.“

Auch Torsten Hinrichs, Deutschlandchef von S&P, unterstreicht im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ diese Position. So weist er den Vorwurf von sich, dass die Agenturen die starke Ratinglastigkeit von Basel II mitverursacht hätten. Hinrichs betont: „Wir haben nie darum gebeten, dass unsere Ratings in Regelwerke eingebaut werden und damit zwingende Folgen für Anleger haben können. Wir würden es begrüßen, wenn die verbindliche Bedeutung von Ratings aus Regelwerken zur Bankenregulierung wie Basel III oder den Vorgaben von Zentralbanken gestrichen würden.“

Folgend wird der S&P-Deutschlandchef zu den aufgetretenen Interessenkonflikten bei der Erstellung von Ratings für Kunden befragt. „Wir werden an dem Bezahlmodell festhalten. Denn nur damit können wir die Analysen dem gesamten Markt zur Verfügung stellen und etwa in den Verträgen festlegen, dass wir Zugang zu vertraulichen Informationen bekommen, mit denen wir die Qualität unserer Kreditratings steigern können“, formuliert Hinrichs klar. Man habe aber dazugelernt und trenne noch strenger als vor der Krise die Analysten von den Mitarbeitern, die mit den Kunden die Verträge schließen. „Es ist genau festgelegt, wer mit wem reden darf. Auch wissen die Analysten nicht, was mit ihren Ratings verdient wird“, so seine Aussage.

 


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  1. [...] und Vorwärtsverteidigung, dass Geschäft der Ratingagentur kommunikativ neu zu positionieren (vgl. RMRG vom 6.7.). Tags: CESR, Coface, Deven Sharma, Finanzmarktregulierung, Fitch, Franz J. Michel, [...]