Stresstests werden zur Hetzjagd

7. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers12Der neue Stresstest für die EU-Banken, dessen Ergebnisse am 23. Juli veröffentlicht werden sollen, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Hetzjagd für die Banken.
Das Gremium der europäischen Bankenaufsichten (CEBS) wird informierten Kreisen zufolge, heute Einzelheiten über die nächste Runde der EU-Bankenstresstests bekannt geben. Dies berichtet heute die Financial Times Deutschland unter Verweis auf Agenturmeldungen. Die Finanzinstitute mussten nach Meldung des Handelsblatts, der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse zustimmen und bis gestern Abend eine Einverständniserklärung an die Regulierungsbehörden zurückschicken. Die Banken hätten nun mehrere Tage Zeit, um den Fragebogen auszufüllen. Unklar ist allerdings, wie lange genau den Instituten dafür Zeit gegeben wird. Dem Handelsblatt zufolge wurde die Frist auf kommenden Montag festgelegt. In der neue Überprüfung wird nun offenbar doch ein Staatsanleiheszenario enthalten sein. Dieses wurde laut Börsen-Zeitung, nach „hektischer Abstimmung“ mit den Zentralbanken des Eurosystems entschärft. So sei kein pauschaler Abschlag auf alle Staatsanleihen in Europa vorgesehen.

Um die Ausgestaltung der neuen EU-Bankenstresstests – gerade beim Szenario ausfallenden Staatsanleihen – herrscht seit Tagen große Verwirrung. Erst berichtete „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe, dass dieses Szenario nicht an die zu überprüfenden Banken angelegt werden soll. Gestern vermeldete die Süddeutsche Zeitung jedoch eine gegenteilige Entwicklung. Auch das Fallbeispiel einer Staatspleite beziehungsweise eines darauffolgenden Kurscrashs am Anleihemarkt sollte nun durchgespielt werden. Als die Stresstests nach dem Niedergang der Investmentbank Lehman Brothers vor knapp zwei Jahren entwickelt wurden, „stand ein Staatsbankrott schlicht nicht im Raum. Das hat sich nun geändert“, sagte eine mit der Materie vertraute Person dem Blatt. Die Ratingagenturen hätten mit diesem Schritt, der die Test-Ergebnisse wohl deutlich negativer ausfallen lassen wird, schon seit längerem gerechnet. „Die Ergebnisse werden sich verschlechtern. Inwiefern, hängt davon ab, welche Krisenländer einbezogen werden und welche Annahmen über Abschläge auf die jeweiligen Anleihen in den Portfolien der Banken getätigt werden“, erklärte Michael Dawson-Kropf, Leiter der deutschen Bankenanalyse bei Fitch Ratings.

Erst vergangene Woche wurde heftig über das Prozedere der Veröffentlichung der Test-Ergebnisse diskutiert (vgl. RMRG vom 2.7.). Gestern vermeldete die FTD, dass die Chefs der europäischen Banken zwei Tage vor der geplanten Veröffentlichung neuerlicher Stresstest-Ergebnisse (21. Juli) zu EZB-Präsident Jean-Claude Trichet geladen sind, um die Resultate vorab zu besprechen. Überspitzt formuliert die Zeitung: „EZB-Chef hält Stress-Bankern das Händchen“. Ein Insider erklärt: „Das Treffen von Trichet mit den Bankvorständen ist da fix terminiert.“ So könnten die Auswirkungen diskutiert werden, falls einzelne Banken die Tests nicht bestanden haben. „Dann könnten Rekapitalisierungsmaßnahmen nötig werden. Als potenziell gefährdet gelten etwa deutsche Landesbanken oder spanische Sparkassen“, heißt es.

 


Tags: , , , , , , ,

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. [...] Details des heftig umstrittenen Staatsanleiheszenarios im Rahmen der neuen Stresstest-Runde (vgl. RMRG vom 7.7.). So soll für Anleihen Griechenlands ein theoretischer Abschlag von 16,75 Prozent angelegt werden, [...]