Regulierung: Ackermann und Green sorgen sich um Bankenrentabilität

14. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers2Die Chefs europäischer Großbanken sehen die bislang glänzenden Zahlenwerke ihre Institute durch neue Regularien gefährdet.
Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat sich im Rahmen einer Rede in Südkorea skeptisch zur Entwicklung der Rentabilität in der Finanzbranche geäußert. Grund ist die aus seiner Sicht übermäßige Regulierung und ein Mangel an internationaler Abstimmung der Regularien. „Die kombinierte Folge all dieser Veränderungen wird ein globales Finanzsystem sein, das stärker reguliert, weniger international und weniger rentabel ist“, wird Ackermann in der Börsen-Zeitung zitiert. Dennoch gab der Bankchef seiner Hoffnung Ausdruck, dass das System durch die Regulierung auch stabiler und noch immer offen sowie flexibel genug sein wird, um Banken zu erlauben, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfüllen. Es gebe jedoch einige „berechtigte Bedenken“, dass das System überreguliert sein werde, so Ackermann.

Bereits am Sonntag hatte sich HSBC-Chef Stephen Green ähnlich geäußert. Gegenüber dem „Sunday Telegraph“ hat der Chef der britischen Großbank schwerwiegende Bedenken gegenüber den laufenden Regulierungsbemühungen angemeldet. Diese würden eine „vitale Zukunft“ des Bankensektors gefährden. Man sehe sich einer Welle von Verregelungen gegenüber, so Green, der dabei gerade auf das Regelwerk Basel III und dessen Behandlung von Bankrisiken hinwies. Insbesondere bei den Eigenkapitalanforderungen für Instrumente des Investmentbanking sieht Green eine Tendenz zu einer übertriebenen Regulierung („overly gold-plating“).

Derweil haben die US-Banken offenbar schon die ersten Lücken in der neuen amerikanischen Finanzmarktregulierung ausgemacht. Kaum verabschiedet, könnte die US-Finanzreform nach Ansicht der Financial Times Deutschland sogleich wieder von den Banken unterwandert werden. Berichten zufolge wollen die Citigroup und andere führende Institute einen Teil ihrer Händler ins Kundengeschäft versetzen, „um so Beschränkungen des Eigenhandels zu umgehen“. Zudem gebe es für die Banken die Option Industriebetriebe aufzukaufen oder Hedge-Fonds zu gründen, um dann riskante Geschäfte über solche Gesellschaften abzuwickeln. Die Gesetzesvorlage sei „voller Lücken“, heißt es zur Begründung. „Aus dem ambitioniert gestarteten Vorzeigeprojekt der Regierung Obama droht eine Waschlappen-Reform zu werden – aufgeweicht von den Lobbygruppen der Wall Street“, heißt es im entsprechenden Leitartikel.

 


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