Verwässert der Baseler Ausschuss sein Regelwerk?

15. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

boezIn einem ausführlichen Beitrag legt die Börsen-Zeitung ihren Fokus auf die laufenden Arbeiten des Baseler Ausschusses hin zu einer Reform der Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken.
Schon auf seiner Titelseite vermeldet das Blatt: „Baseler Ausschuss wird weich“ – und verweist dabei auf ein mögliches Umdenken der Gremiums-Mitglieder infolge der Ergebnisse der jüngsten Auswirkungsstudie, die als Grundlage für die Feinkalibrierung der Regularien dient. Auch das heutige „Wall Street Journal Europe“ hält eine „Verwässerung“ der Regeln für wahrscheinlich. Aus Aufsichtskreisen will die Börsen-Zeitung erfahren haben, dass der Ausschuss mit Ernüchterung auf die Erkenntnisse der Studie reagiert habe. So heißt es, dass die Studie „Unwuchten“ zutage gefördert habe, und es zu diskutieren bleibe, „ob die angeregten Reformen den Sektor zu stabilisieren vermögen“. Damit sieht das Blatt nun die Möglichkeit, dass das Gremium seine Vorgabe aufweichen könnte. Rückblickend heißt es, dass die Baseler Aufseher die massiven Einwände und Warnungen der Banken vor den negativen Konsequenzen einer Überregulierung bislang „kühl gekontert“ hätten (vgl. RMRG vom 1.6.) – hier scheint sich das Bild nun zu verschieben.

Weiter wird berichtet, dass die Vertreter des Baseler Ausschusses aktuell zu Beratungen zusammenkommen sind, um das Resultat der Auswirkungsstudie zu diskutieren und „etwaige Änderungen“ der eigenen Vorschläge zu erörtern. Das Blatt sieht die Aufseher nun „noch einmal nachrechnen“. Burkhard Eckes, Leiter des Bereichs Banking and Capital Markets bei PricewaterhouseCoopers (PwC), verweist in diesem Kontext auf eine noch vor Veröffentlichung der Auswirkungsstudie erstellte Untersuchung, derzufolge allein die deutschen Banken rund 100 Mrd. Euro Kapital benötigen würden, sollten sämtliche Vorschläge des Ausschusses umgesetzt werden. Die europäischen Banken könnten rund 750 Mrd. Euro benötigen. „In den kommenden beiden Jahren wird es sicherlich keinen Kapitalmarkt geben, der Banken diese Beträge zur Verfügung stellen wird“, wird Eckes im Beitrag zitiert.

Man sieht den Baseler Ausschuss nun vor einem Dilemma: „Nähmen die Regulierer nun einen der Kernpunkte ihrer geplanten Reformen zurück, wäre das öffentliche Echo wohl vernichtend.“ Als einzig mögliche Option sieht man hier das Einräumen von großzügigen Übergangsfristen für die Banken – formal könne man dann die ursprünglichen Festlegungen beibehalten. „Nachdem die EU erst in der vergangenen Woche die Einführung der parallel zu den Baseler Vorgaben erarbeitete Kapitaladäquanzrichtlinie III von Anfang auf Mitte beziehungsweise Ende kommenden Jahres verschoben habe, besitze auch der Baseler Ausschuss mehr Spielraum“, gibt die Zeitung einen weiteren PwC-Experten wieder.

 


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