Angst vor dem „Stresstest-Freitag“

19. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

committeeDie für diesen Freitag, den 23. Juli, geplante Veröffentlichung der Ergebnisse des EU-Bankenstresstests wirft ihre Schatten voraus und sorgt für wachsende Unruhe unter den Finanzinstituten und Marktakteuren.
Der heutige „Platow Brief“ meint zu wissen: „Bank-Branche befürchtet Chaos bei Stresstest-Veröffentlichung“. Um 18:00 Uhr deutscher Zeit sollen am Freitag alle 91 getesteten Institute in der EU ihre Ergebnisse auf Grundlage eines Formblattes veröffentlichen – dies schließt auch die 14 deutschen Banken, u.a. Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank und WestLB, mit ein. Der Vordruck müsse jedoch noch final abgestimmt werden. Unmittelbar anschließend, so heißt es in der dem „Platow Brief“ vorliegenden Anweisung der BaFin, werden die nationalen Aufseher und das federführende CEBS die Ergebnisse noch einmal zusammenfassend darstellen und mit Informationen zum Verfahren und den Parametern ergänzen. Die BaFin selbst bezeichne das Verfahren als „sicher nicht ideal“. Trotz des Formblattes, an dessen Vorgaben sich die Institute strikt halten sollen, könnte es zumindest kurzzeitig zu Unstimmigkeiten und Fehlinterpretationen kommen.

Derweil äußert auch der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Heinrich Haasis, im Interview mit der Samstagsausgabe der Frankfurter Rundschau Zweifel an der stabilisierenden Wirkung des EU-Bankenstresstests. Seine Skepsis begründet sich wie folgt: „Die Euro-Länder haben ein Rettungspaket über 750 Mrd. Euro verabschiedet und dann wird ein Szenario angenommen, bei dem die Banken Abschläge auf Bonds europäischer Staaten annehmen müssen.“ Damit suggeriere man, dass das eigene Rettungspaket nicht greift. „Das beruhigt die Märkte nicht.“

Optimistische Töne in Sachen Stresstest sind unterdessen vom Vorsitzenden der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, und von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn zu vernehmen. „Ich erwarte keine großen Katastrophen“, sagte Juncker, der österreichischen Tageszeitung „Kurier“. Strauss-Kahn prognostizierte im französischen Fernsehen: „Wir werden sehen, dass alle großen europäischen Banken hinreichend stabil sind, um jedes Erdbeben zu überstehen.“ Das irische EZB-Ratsmitglied Patrick Honohan warnte nach Bericht der Süddeutschen Zeitung hingegen vor einer Veröffentlichung der Ergebnis-Details für die Großbanken der EU. Dagegen plädierte Juncker klar für eine „ungeschminkte“ Veröffentlichung der Resultate. Auch der Experte des Brüsseler Think-Tanks Bruegel, Nicolas Veron, schließt sich in einem Gastbeitrag für die Financial Times Deutschland dieser Forderung an. Eine beruhigende Wirkung der Tests könne es nur dann gegeben, wenn bei den Ergebnissen „so viele Details wie möglich veröffentlicht werden“.

Bereits am Freitag ergab sich die Börsen-Zeitung in einem Kommentar in Mutmaßungen über die Hintergründe des Einbezugs der deutschen Landesbanken in den CEBS-Bankenstresstest. Gehe es allein um die mehrheitliche Darstellung eines Banken-Marktanteils in der Überprüfung, müssten die Landesbanken eigentlich nicht „stressgetestet“ werden, heißt es. So wird zur Einschätzung unter den öffentlich-rechtlichen Instituten angemerkt: „Der eine oder andere Vorstand ist sogar überzeugt, maßgebliche Kräfte in Bundesregierung und EU-Kommission seien geradezu darauf erpicht, dass bestimmte Häuser den Test nicht bestehen werden.“ Dann müsste der SoFFin beispringen und der Staat könne seiner Stimme verstärkt Gehör verschaffen. Hintergrund könne eine politische Motivation sein, die Konsolidierung des Landesbankensektor in Deutschland zu forcieren.

 


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