„Stresstest-Freitag“: Panik wegen möglicher Marktinterpretationen der Ergebnisse

21. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers_crossDie von uns schon am Montag beschriebene „Angst vor dem Stresstest-Freitag“ nimmt mehr und mehr panikartige Züge an (vgl. RMRG vom 19.7.).
Die Anspannung vor der Veröffentlichung der Ergebnisse des EU-Bankenstresstests durch das federführende Gremium der europäischen Bankenaufseher (CEBS), die nationalen Aufseher und einzelnen Finanzinstitute am kommenden Freitag, wird durch immer neue, „durchgesteckte“ Informationen über vermeintliche „Durchfaller“ und „Stresstest-Besteher“ befeuert. Nachdem gestern bekannt wurde, dass offenbar die Hypo Real Estate (HRE) die Überprüfung nicht bestanden habe, gibt es nun krampfhafte Bemühungen, dieses Scheitern als Einzelfall im deutschen Bankensektor darzustellen – gerade von Seiten der Landesbanken. Es gebe „überhaupt keine“ Anhaltspunkte dafür, dass es bei einem der sieben getesteten Institute größere Schwierigkeiten gebe, sagte der Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB), Christian Brand, in einem Interview. „Dementsprechend bin ich ausgesprochen entspannt, was den Freitag angeht.“ Die Financial Times Deutschland erkennt daraufhin: „Landesbanken erwarten Stresstests ganz entspannt“.

Weniger sicher zeigt sich die Süddeutsche Zeitung, was dass Bestehen aller „stressgetesten“ Landesbanken angeht. Gerade Institute dich bislang nicht auf Staatshilfen zurückgegriffen haben, würden skeptisch beäugt. In Finanzkreisen heiße es, einige Banken könnten so nah an die von CEBS genannte Mindestkapitalgrenze von sechs Prozent kommen, dass die Investoren an den Finanzmärkten eine stärkere Kapitaldecke fordern würden. „Wenn eine Bank nahe an die Sechs-Prozent-Grenze rutscht, wird das wie ein Scheitern beim Test beurteilt werden“, wird ein hochrangiger Investmentbanker von der SZ zitiert. Im Beitrag wird hier auf die Fälle der Helaba und die Nord/LB verwiesen. Nicht ohne Grund macht das Handelsblatt „die Angst vor dem Stresstest“ zu Thema des Tages. Diese wird wie folgt verortet: „Die Angst der wenigen, die befürchten, dass das Ergebnis für viele der 91 getesteten europäischen Banken nach drei Jahren Finanzkrise immer noch katastrophal sein könnte. Und die Angst der vielen, die befürchten, dass die Märkte den Stresstest als Beruhigungspille der Aufsichtsbehörden empfinden könnten.“

Die im Stresstest angewandten Kriterien sind nach Informationen des heutigen „Platow Briefs“ auch Gegenstand geradezu absurd anmutender Gerüchte. So soll die Vorgehensweise in Deutschland und Luxemburg eine andere sein, als in den übrigen EU-Ländern. Hintergrund sei, dass angesichts harter Vorgaben für das erwartete Wirtschaftswachstum in einzelnen Ländern die Abschläge auf Anleihen nicht zu hoch ausfallen sollen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin wolle es hier „offenbar nicht überziehen, da sonst eine kumulative Wirkung auf das Testergebnis zu befürchten sei“. So werde derzeit überlegt, die Abschläge auf Anleihen geringer ausfallen zu lassen. „Während z. B. in Rest-Europa Abschläge auf deutsche, italienische und spanische Staatsanleihen von knapp 2 bzw. 7 und 11 % angesetzt werden, würden demnach in Deutschland und Luxemburg bei deutschen Anleihen gar keine Abschläge und bei italienischen bzw. spanischen Anleihen nur 2,5 bzw. 5 % angesetzt“, heißt es. Einschränkend wird zu den Spekulationen jedoch angemerkt, dass man ein solches Vorgehen für „unvorstellbar“ halte, da es den CEBS-Test quasi „ad absurdum“ führen würde.

Unterdessen scheint das Prozedere der Stresstest-Veröffentlichung am kommenden Freitag nun wenigstens im zeitlichen Ablauf festzustehen. Das CEBS habe den 14 deutschen überprüften Banken mitgeteilt, dass sie ihre Ergebnisse am Freitag um 18 Uhr auf einheitlichen Formblättern einzeln veröffentlichen können, getrennt nach den Jahren 2010 und 2011, berichtet die SZ. Zur gleichen Zeit stellt das CEBS aggregierte Daten über die getesteten Institute ins Internet. Um 18:30 Uhr biete das Gremium dann eine Gesamtschau der Ergebnisse an, die nach Ländern aufgeschlüsselt ist. Um 19 Uhr finde schließlich eine Pressekonferenz des CEBS in London statt. Derzeit ist jedoch noch unklar, welche Daten jedes Institut veröffentlichen wird. In Finanzkreisen heiße es, dass „eine gewisse Vergleichbarkeit vorgeschrieben ist, damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden“.

Den zeitlichen Ablauf der Veröffentlichung am Freitag hat das CEBS in einer Pressemitteilung zusammengefasst, die unter folgendem Link abrufbar ist: http://c-ebs.org/documents/News—Communications/2010/19July_PR.aspx

 


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