Stresstest-Ergebnisse stoßen auf gemischte Reaktionen / HRE als medialer Gewinner

26. Juli 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers7Die mit großer Spannung erwarteten Ergebnisse des EU-Bankenstresstests sind wie vorab kommuniziert, am vergangenen Freitag Abend veröffentlicht worden und stoßen erwartungsgemäß auf ein großes Medienecho.
Zwar hielt sich der federführende Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS) nicht minutiös an den Zeitplan – so waren die aggregierten Ergebnisse Punkt 18 Uhr noch nicht auf der Website des CEBS abrufbar – doch die fünfminütige Verzögerung löste keine Unruhe aus. Die Kommentatoren der Tageszeitungen sehen im Nachlauf der Ergebnis-Präsentation jedoch keinen Anlass zum Jubel aufgrund der Tatsache, dass 13 von 14 deutschen Banken des Stresstest bestanden haben. „Wertloses Zeugnis“, so die kritische Überschrift des „Spiegel“ – und die Financial Times Deutschland mahnt: „Stresstests haben kurze Beine“. Nach Meinung der FAZ haben die deutschen Banken „Nachholbedarf“. Grund: „Die Kernkapitalquote der 14 geprüften deutschen Institute würde in dem strengen Krisenszenario [...] bis Ende 2011 auf durchschnittlich 8,2 Prozent sinken. Dagegen liegt der Mittelwert der 91 geprüften europäischen Banken mit 9,2 Prozent um einen Prozentpunkt höher.“ Nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs haben die Ergebnisse der Stresstests jedoch allgemein gutes Potenzial, Vertrauen im Sektor aufzubauen. Insgesamt seien die Resultate mit einem „bedingten Daumen hoch zu bewerten und ein deutlicher Schritt nach vorne“ urteilten die Analysten. Die für das Testszenario offenbarte mögliche Unterdeckung von 3,5 Mrd. Euro liege deutlich unter dem von ihnen vorab mittels einer Umfrage ermittelten Erwartungswert von 37,6 Mrd. Euro.

Kritischer äußerten sich andere Marktakteure und Experten: „Das war meines Erachtens kein Worst-Case-Szenario, was in den Stresstests gespielt wurde“, meinte etwa Heino Ruland von Ruland Research und verwies darauf, dass nur das Umlaufvermögen und die Handelsbestände, aber nicht das Anlagevermögen, und hier insbesondere Staatsanleihen, berücksichtigt worden seien. Nach Ansicht von Mark Wahrenburg, Professor am Lehrstuhl für Bankbetriebslehre der Goethe-Universität Frankfurt am Main, verdienen weniger die Testkriterien als das Fehlen von klaren Leitlinien zur Ableitung der Ergebnisse in den einzelnen Banken Kritik. Als Beispiel erklärt Wahrenburg im Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“: „in die Ergebnisse fließen die Prognosen der Banken über die Entwicklung der operativen Gewinne ein. Während die Allied Irish Bank im Stresstest von einem Rückgang der operativen Ergebnisse von 2,3 Mrd. Euro auf 0,9 Mrd. in der zweijährigen Stressperiode ausgeht, prognostiziert die Postbank einen Anstieg um 0,25 Mrd. auf eine Milliarde Euro. Hier liegt der Verdacht nahe, dass mit sehr unterschiedlichen Methoden gearbeitet wurde. Doch selbst wenn dieses und ähnliche Probleme gelöst werden, kann eine weitere Finanzkrise naturgemäß nicht ausgeschlossen werden, weil der Stresstest nur eines von vielen möglichen Zukunftsszenarien untersucht. Niemand wird bestreiten, dass die Zahlungsunfähigkeit einzelner Staaten zu einer erneuten Bankenkrise führen kann. Dieser Fall wird aber im Stresstest nicht berücksichtigt.“

Derweil hat der Generalsekretär des CEBS, Arnoud Vossen, Deutschland und den hiesigen Banken vorgeworfen, sich bei der Veröffentlichung der Test-Ergebnisse nicht an Absprachen gehalten zu haben. „Wir waren uns mit allen Aufsichtsbehörden und den Banken einig, dass jede Bank ihre Staatsanleiherisiken offenlegt”, so Vossen gegenüber der Financial Times. Am Freitag legten jedoch nur acht der 14 überprüften deutschen Banken offen, wie viele solcher Schuldtitel sie besitzen. Im entsprechenden Bericht der Financial Times Deutschland werden hier folgende Institute benannt: „die Deutsche Bank, die Postbank, die Landesbank Berlin, die DZ Bank, die WGZ Bank und auch die HRE.“

Verwunderliche Anekdote bei der Veröffentlichung der Test-Resultate: Die schon vorher als Durchfaller feststehende HRE scheint medialer Gewinner des ganzen Prozederes – insbesondere deren Interims-Chefin Manuela Better. So lobt die FAZ Sonntagszeitung die stille Beharrlichkeit der Managerin und betitelt sie als „die Eiserne“. Man sieht die Aufräumarbeiten der HRE bei der Risikoexpertin in guten Händen. Auch das Handelsblatt sieht Better trotz des nicht bestandenen CEBS-Tests, „fest im Sattel sitzen“. Anerkennend heißt es: „In der Ruhe liegt ihre Kraft.“

 


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  1. [...] und die hiesigen Banken nicht an das verabredete Prozedere bei der Publikation gehalten haben (vgl. RMRG vom 26.7.), war gestern von breitem medialen Interesse. Die Süddeutsche Zeitung sah die „Aufseher wütend [...]