Staatsanleihe-Risiken deutscher Banken im Fokus

28. Juli 2010 | Von | Kategorie: Riskmanagement

staatsanleihenrisikoIm Rahmen der Stresstests haben die deutschen Banken ihre Staatsanleihenengagements veröffentlicht – wenn auch teilweise erst im Nachlauf der Ergebnis-Publikation.
Dabei hat sich herausgestellt, dass die DZ Bank zu den größten Gläubigern der gebeutelten PIGS-Staaten (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) gehört, merkt die Börsen-Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe an. Bereinigt um Absicherungsgeschäfte bezifferte das genossenschaftliche Spitzeninstitut das Engagement auf 8 Mrd. Euro. Andere deutsche Privatbanken sind deutlich weniger in den Schuldenländern aktiv. So teilte die Deutsche Bank gestern mit, dass man in Portugal, Irland, Griechenland und Spanien – nach Absicherung – Positionen im Volumen von rund 2 Mrd. Euro habe. In Italien – ein Land, das bislang lediglich als gefährdet gilt – haben die Positionen unter dem Strich einen Umfang von 8,1 Mrd. Euro. Die Zeitung veröffentlicht in dem Kontext eine Auflistung der „Engagements deutscher Banken gegenüber Zentralstaaten, Regionalregierungen und Gebietskörperschaften“. Auch die FTD präsentiert heute eine solche statistische Aufstellung.

Der am Montag vom Generalsekretär des federführenden CEBS, Arnoud Vossen, erhobene Vorwurf, dass sich Deutschland und die hiesigen Banken nicht an das verabredete Prozedere bei der Publikation gehalten haben (vgl. RMRG vom 26.7.), war gestern von breitem medialen Interesse. Die Süddeutsche Zeitung sah die „Aufseher wütend auf deutsche Banken“. Entgegen der Planung hatten Deutsche Bank, Postbank, Hypo Real Estate, Landesbank Berlin, sowie DZ Bank und WGZ keine Aufschlüsselung ihrer Staatsanleiherisiken im Rahmen der Stresstest-Ergebnisse veröffentlicht. Das Handelsblatt fokussierte in diesem Zusammenhang in erster Linie auf die Deutsche Bank und konstatierte: „Der Branchenprimus muss sich Kritik gefallen lassen, weil er seine Bestände an Staatsanleihen nicht offengelegt hat.“ Von Seiten der deutschen Banken sind nun Vorwürfe in Richtung der Finanzaufsicht BaFin zu vernehmen, wonach die Behörde die Institute zur verabredeten Veröffentlichung der Staatsanleiherisiken nicht ausreichend informiert habe. Von der deutschen Aufsicht habe es „keine klare Ansage“ gegeben, berichtet die Börsen-Zeitung über Aussagen der Postbank. Die BaFin ist selbst offenbar davon ausgegangen, dass es sich bei der Detailveröffentlichung dieser Risikoexpositionen um einen freiwilligen Vorgang für die Banken handelte.

In einem Hintergrundbeitrag versucht der „Platow Brief“ die „Grenzen von Stresstests“ aufzuzeigen. Gerade die zugrundegelegten Kriterien der Belastungsüberprüfung seien strittig: „Warum wird im Zeitalter der Globalisierung nur die Wirtschaftsentwicklung in Europa einbezogen, warum nur das Handelsbuch gestresst, nicht jedoch das Bankbuch?“ Auch für bestimmte Einzelfälle sieht der Bericht offene Fragen: „So verliert die Commerzbank auf dem Weg vom Benchmark-Szenario einer relativ heilen Welt (Frühjahrs-Prognose 2010 der EU-Kommission) zu den beiden Stress-Szenarien (Rückfall in die Rezession; deutliche Risikoaufschläge für Euro-Bonds) gerade mal 140 Basispunkte und landet bei einer Tier 1-Ratio von 9,1%, während die Deutsche Bank 350 Basispunkte einbüßt und nur auf Grund verbesserter Ausgangsbasis mit 9,7% knapp vor dem Wettbewerber endet.“

 


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Ein Kommentar
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  1. [...] aufweisen, als noch im Rahmen der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse kommuniziert (vgl. RMRG vom 28.7.). Dies könne zwar teilweise auf andere interne Messmethoden der Banken zurückzuführen sein – [...]