IWF-Stresstest für US-Banken / Zweifel an Schärfegrad der EU-Überprüfung

3. August 2010 | Von | Kategorie: Top News

testiwfEin Stresstest des US-Bankensystems durch den IWF kommt zu dem Ergebnis, dass knapp ein Drittel der 52 größten Institute bei einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage unterkapitalisiert sei.
Der Test war ähnlich konzipiert wie der jüngste EU-Bankenstresstest unter Federführung des CEBS. Gerade kleine und regionale Institute, die stark vom jeweiligen Immobilienmarkt abhängen, seien in diesen Tests gefährdet, erkennt der IWF. Bis zu 76 Mrd. Dollar an frischem Kapital würde das US-Finanzsystem im Stressfall benötigen. Sie warnen besonders vor Problemen, die sich aus der starken Vernetzung der US-Institute ergibt. Gerate eine Bank in Schwierigkeiten, habe das auch direkte Folgen für andere Institute, etwa weil die Banken sich untereinander Geld geliehen haben oder weil sie ähnliche Vermögenswerte halten.

Die US-Aufsichten müssten infolge der Test-Ergebnisse die Risiken im Finanzsystem stärker beobachten als bisher und gegebenenfalls schnell eingreifen, fordern die IWF-Ökonomen. Der Währungsfonds fordert zudem eine „makrozentrierte“ Regulierung, die nicht nur einzelne Institute im Blick hat, sondern ebenso systemische Risiken analysiert. Bisher konzentrieren sich Notenbanker und Aufsichtsbehörden auf Probleme bei einzelnen Instituten. Die IWF-Experten bekräftigten zudem die Forderung, die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu reformieren.

Derweil blickt das Wirtschaftsmagazin „Economist“ auf den EU-Bankenstresstest zurück und zieht dabei ein eher kritisch ausfallendes Fazit. Gerade der Schärfegrad des CEBS-Tests wird kritisch bewertet. Hier zieht man einen Vergleich zu den Ergebnissen des US-Bankenstresstests vom vergangenen Jahr: „In aggregate banks were projected to face write-downs equivalent to 4.5% of their risk-adjusted assets over two years, which would be almost exactly offset by underlying profits. America’s tests in 2009 assumed an almost identical level of underlying profits but write-downs of almost 8% of risk-adjusted assets over two years, resulting in a far bigger net hit of three percentage points to banks’ capital ratios.“ Trotz der durch die Überprüfung gewonnenen Transparenz, stünden viele EU-Banken weiter vor großen Herausforderungen – gerade im Bereich der Refinanzierung.

In der Rubrik „Pro und Contra“ lässt „Euro am Sonntag“ Finanzpolitiker und -experten zum Thema Bankenstresstests zu Wort kommen. Drei der vier Befragten plädieren dabei für ein regelmäßiges „Stress-Testing“ der EU-Banken. Frank Schäffler, FDP-Finanzexperte, Martin Faust, Bankenprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management, sowie Lisa Paus, Finanzexpertin von Bündnis 90/Die Grünen, unterstreichen dabei unisono den vertrauensfördernden Aspekt einer regelmäßigen, einheitlichen Bankenüberprüfung. Lediglich Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der TU Darmstadt, lehnt die regelmäßige, intervallartige Überprüfung eine Stressszenarios ab, da die „Antizipationseffekte“ der Banken induzieren könne. „Genau bei diesem Szenario sehen die Institute dann gut aus.“

Die Ergebnisse der IWF-Überprüfung des US-Bankensektors sind unter folgendem Link abrufbar: http://www.imf.org/external/pubs/cat/longres.cfm?sk=24105.0

 


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