Auch aufgeweichte Bankenregulierung macht Banken Probleme

4. August 2010 | Von | Kategorie: Regulierung

papers6Die anvisierte schärfere Bankenregulierung stellt deutsche Banken – trotz jüngster Aufweichungen – offenbar vor große Herausforderungen.
Der Fahrplan zur Finalisierung von Basel III, der aktuell vom Gouverneursrat des Baseler Ausschusses beschlossen wurde, sieht auch eine deutlich weniger restriktive Auslegung der ergänzenden Leverage Ratio vor. Diese wird vorerst nur als unverbindliche Beobachtungsgröße installiert und soll voraussichtlich erst ab dem Jahr 2018 zur wirklich festen Verschuldungsgrenze im Regelwerk werden (vgl. RMRG vom 28.7.). Bei der Beschränkung werden die Bilanzsumme sowie außerbilanzielle Pflichten durch das Kernkapital des Instituts dividiert. „Nach Willen des Baseler Ausschusses soll dieser Quotient dann höchstens 33 betragen“, erklärt das Handelsblatt. Nach Analyse der Zeitung hätten einige deutsche Banken auch trotz der Entschärfung durch Basel künftig Probleme die Grenze einzuhalten (Titel: „Deutsche Banken reißen die Latte“). Im Beitrag werden dabei die Postbank und die deutschen Pfandbriefbanken (bzw. Immobilienfinanzierer) benannt. Aber auch für die Landesbanken könnte sich die Quote als Herausforderung erweisen. Gerade Institute mit eher risikoarmem Geschäft stünden hier vor möglichen Problemen.

„Die Leverage Ratio ist für Banken mit risikoarmen Geschäftsfeldern wie Staats- oder Immobilienfinanzierung in dieser Höhe noch immer ein Problem“, wird Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp), zitiert. Er verweist aber darauf, dass das Baseler Gremium die genauen Folgen der Leverage Ratio erst noch einige Jahre prüfen und erst dann final kalibrieren will. „Das zeigt, dass sich die Aufseher bewusst sind, dass auf nationaler Ebene bestimmte Geschäftsmodelle stark betroffen sind“, so der vdp-Vertreter.

Unter der Überschrift „Banker zögern und zaudern“ berichtete auch die „Immobilien Zeitung“ auf der Titelseite ihrer jüngsten Ausgabe über „gestresste“ Immobilienfinanzierer. Trotz eines bisher zufriedenstellenden Jahresverlaufs seien „die Sorgenfalten in den Gesichtern“ der Banker nicht weniger geworden. Der Grund: „Das Maßnahmenpaket zur Bankenregulierung schwebt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Branche.“ Zu unsicher und fragil sei aus Sicht der Bankvorstände das Gesamtgebilde und zu ungewiss das, was speziell auf die Banken noch zukommen wird. Man weist dabei auf die Schlagworte Basel III, Bankenabgabe und Transaktionssteuer hin. „Wenn sämtliche regulatorischen Eingriffe gleichzeitig erfolgen, wird das Bankgeschäft kaputt gemacht“, werden die Ängste des Chefs eines großen deutschen Immobilienfinanzierers wiedergegeben. Andere Stimmen würden in dem Regulierungsgeflecht den Versuch der Politik sehen, eine Selektion im Bankensektor anzustoßen. „Die Fülle an Maßnahmen ist enorm. Über die wechselseitigen Auswirkungen hat man sich offenbar noch keine tiefergehenden Gedanken gemacht“, wird Louis Hagen, Vorstandssprecher der Münchener Hyp, im Beitrag zitiert.

 


Tags: , , , , , , , , , , ,

Ein Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. [...] RMRG: Auch aufgeweichte Bankenregulierung macht Banken Probleme [...]