Basel III-Entschärfung stößt weiter auf heftige Kritik

11. August 2010 | Von | Kategorie: Top News

papers_fnpDie deutlich weniger scharf ausfallenden, neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln für Banken stehen weiterhin im Kreuzfeuer der Kritik.
„Weichspülung für Basel III“, so der Titel eines Kommentars der Börsen-Zeitung, der die jüngst durch den Gouverneursrat des Baseler Ausschusses vorgegebene Entschärfung der Reform der Eigenkapital- und Liquiditätsregeln kritisch kommentiert. Im Leitartikel ihrer Wirtschaftsrubrik moniert auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Aufweichung des Regelwerks. Schon der Titel des Beitrags zieht ein ernüchterndes Fazit: „Erfolg für die Bankenlobby“. Man sieht die Banken erleichtert, „weil das Korsett, das die Aufseher nun schnüren wollen, ihnen reichlich Luft zum Atmen lässt“. Als Beleg verweist man auf die Festlegungen zur ergänzenden Leverage Ratio in Basel III: „War man bislang davon ausgegangen, dass die Banken nur das 25fache ihres Eigenkapitals an Krediten vergeben dürfen, liegt die Grenze nun beim 33fachen.“ Mit der „großzügigeren Verschuldungsgrenze“ setze das Baseler Gremium ein falsches Signal, „weil die zu leichtfertige Kreditvergabe eine Ursache für die jüngste Finanzkrise war“.

„Die Art und Weise, wie dieser vorläufige regulatorische Konsens fabriziert und kommuniziert wurde, ist ungewöhnlich“, erkennt unterdessen die Börsen-Zeitung. Autor Norbert Hellmann hegt den Verdacht, dass der von Notenbankern dominierte Gouverneursrat die Gelegenheit genutzt hat, die EU-Bankenstresstests „mit guten Nachrichten für den Bankensektor zu flankieren, und zwar mit selektiven Erleichterungen beim eigentlich erst im November als Gesamtpaket zu beschließenden Regelwerk Basel III“. Die Zentralbanker hätten sich wohl von „politischen Instinkten“ treiben lassen, „um es nach bewährtem Gießkannenprinzip allen ein bisschen recht zu machen“ (vgl. RMRG vom 28.7.). Weiter wird angemerkt, dass mit der Baseler Entscheidung den großen internationalen Bankenmärkten in verschiedenen Aspekten entgegen gekommen wird. „Was die Kapitaldefinitionen angeht, so soll nun, im Gegensatz zum ursprünglichen Vorschlag, das in Minderheitsbeteiligungen an Auslandstöchtern gebundene Kapital teilweise angerechnet werden. Das hilft zahlreichen multinational aufgestellten Großbanken, insbesondere aber jubeln französische und auch britische Adressen“, heißt es. Japanische und italienische Banken würden hingegen in erster Linie die Modifizierung bei der Anrechnung unrealisierter Steuergutschriften begrüßen. „Die partielle Anerkennung sogenannter Mortgage Servicing Rights und damit von Ertragsströmen aus der Verwaltung ausgelagerter Hypothekenkreditbestände ist derweil ein Bonbon, das US-amerikanischen Häusern schmeckt“, heißt es weiter.

Abschließend beschreibt Hellmann die Gefahr, dass man mit dem „hastigen Baseler Design“ möglicherweise „äußerst ungesunde Signale“ ausgesendet habe. Die Prognose: „Manche Bank wird sie als Einladung verstehen, den Turbo wieder zuzuschalten: und mehr Risiken in die Bücher zu nehmen, an deren ‚Maturity Mismatch’ sich zunächst keine regulatorischen Konsequenzen knüpfen, und sie mit Kapital zu unterlegen; die zwar als hart definiert werden, aber in Sachen Verlustabfederung höchsten Ansprüchen nicht genügen, und dies alles in einer Niedrigzinsphase mit verlockend steiler Zinskurve.“ Zwar müssten sich die Aufseher infolge dieser „Aufweichungen“ keine Sorgen mehr wegen etwaiger Marktverspannungen machen – aber: „Sie schaffen aber keine Finanzregulierung, die das System weniger krisenanfällig macht.“ Die FAZ befürchtet gar, dass man nun die Banken wieder in die „alte Freiheit deregulierter Finanzmärkte“ entlässt.

 


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