Auswirkungsstudie zu Basel III stößt auf breites Echo

19. August 2010 | Von | Kategorie: Top News

basel3Der von Baseler Ausschuss und Financial Stability Board (FSB) vorgestellte Interims-Report zur Bewertung der Auswirkung verschärfter Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken auf die Realwirtschaft stößt auf ein breites Echo.
Die Financial Times Deutschland formuliert überspitzt „Aufseher watschen Bankenlobby ab“ und verweist auf die Einschätzungen der Baseler Ökonomen, wonach die neuen Regeln das Wirtschaftswachstum nur marginal dämpfen. „Alles halb so wild“, so daraufhin auch der Ausruf der Süddeutschen Zeitung. Nüchtern vermeldet dagegen die Börsen-Zeitung auf ihrer Titelseite: „Regulatoren verteidigen Baseler Reform – Kapitalregeln konjunkturell unbedenklich“. Den Erkenntnissen der Studie zufolge würde eine Erhöhung der Eigenkapitalquoten um jeweils einen Prozentpunkt nach Abschluss der Implementierungsphase einen Rückgang des BIP-Niveaus um etwa 0,2 % bewirken. „Dies entspricht einem Rückgang der jährlichen BIP-Wachstumsrate von durchschnittlich 0,04 Prozentpunkten über eine Periode von viereinhalb Jahren hinweg“, erklärt das Blatt.

„Die Analyse zeigt, dass die volkswirtschaftlichen Kosten der Einführung der neuen Standards beherrschbar sind“, so das Fazit von FSB-Chef und EZB-Ratsmitglied Mario Draghi zur Studie der „Macroeconomic Assessment Group“ von Baseler Ausschuss und FSB. Der langfristige Nutzen für die Bankenbranche und die Wirtschaft durch höhere Eigenkapitalanforderungen sei weit höher. Auch der Chef des Baseler Gremiums, Nout Wellink, sprach von substanziellen wirtschaftlichen Vorteilen der vorgeschlagenen Reformen, die es neben der Analyse ihrer Kosten zu bedenken gilt. „Diese Vorteile rühren nicht nur von einem langfristig stärkeren Bankensektor her, sondern auch von dem größeren Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems und zwar mit Beginn der Implementierung der Reformen.” Zur weiterhin in vielen Details vakanten Feinkalibrierung von Basel III äußerten sich Wellink und Draghi nicht – ebensowenig sind in der Studie entsprechende Anhaltspunkte zu finden (vgl. RMRG vom 17.8.).

Bereits gestern meldete sich der Bankenverband BdB mit postwendender Kritik und Zweifeln an den Einschätzungen der Studie zu Wort. „Basel III wird sicher nicht spurlos an der Konjunktur vorübergehen“, so ein Sprecher. Das angenommene Minus von 0,2 % beim BIP sei wohl viel zu tief gegriffen. Zudem kämen gleichzeitig weitere Belastungen auf die Branche zu, etwa durch die geplante Bankenabgabe in Deutschland. Ebenfalls gestern äußerte sich Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu den bisher absehbaren Auswirkungen des Basel III-Regelwerks auf die hiesigen Finanzinstitute. „Ich gehe davon aus, dass die verschärften Eigenkapitalregeln für die deutschen und europäischen Banken zwar weh tun werden, aber letztlich verkraftbar bleiben“, so seine ambivalente Einschätzung. Die angestrebten strengeren Vorgaben zur Höhe und Qualität des Kernkapitals träfen alle Banken, auch diejenigen, die ein konservatives, auf Privatkunden und Mittelstand ausgerichtetes Geschäftsmodell betreiben. Nach jetzigem Kenntnisstand seien die Kapitalanforderungen für diese Institute aber eher zu restriktiv, während das von Banken mit risikoreicher Geschäftstätigkeit zusätzlich aufzubauende Eigenkapital zu niedrig sein dürfte.

Die Auswirkungsstudie kann auf den Online-Seiten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der der Baseler Ausschuss untergeordnet ist, eingesehen werden: http://www.bis.org/publ/bcbs173.htm

 


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