„Letztlich waren die Stresstests viel Lärm um nichts…“

24. August 2010 | Von | Kategorie: Top News

stresstestsDas Handelsblatt und das „Wall Street Journal Europe“ widmen dem jüngsten EU-Bankenstresstest eine ausführliche Nachbetrachtung und kommen dabei zu dem Schluss, dass sich die in die Veröffentlichung der Test-Ergebnisse gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt haben.
„Beruhigungspille ohne Wirkung“, daher die in ernüchterndem Ton formulierte Überschrift des Handelsblatts. „Unter dem Strich haben die Stresstests den Banken die Refinanzierung nicht erleichtert“, meint Ralf Burmeister, Leiter des Bankenanleihen-Researchs bei der LBBW: „Letztlich waren die Stresstests viel Lärm um nichts.“ So habe sich in Sachen Refinanzierungskonditionen nichts zum Positiven verändert – die CDS-Risikoprämien der Institute seien weiter auf hohem Stand. Weiterer Beleg für die Zeitung: „Kurz vor und nach der Veröffentlichung der Ergebnisse hatten sich zwar einige große Institute an den Markt gewagt, seither herrscht aber wieder Ebbe am Primärmarkt.“

Im zweiten Teil der Analyse wird zu den enttäuschenden Effekten der Publikation der Stresstest-Ergebnisse angemerkt, dass selbst das „erhoffte Kursfeuerwerk“ bei Bankaktien ausgeblieben sei. Zwar hätten sich die Titel deutlich erholt – doch hätten hier auf andere gewichtige Faktoren eine Rolle gespielt: So z.B. „die absehbare Verwässerung der neuen Eigenkapitalregeln nach Basel III“ und gute Quartalszahlen vieler Institute. Als Grund für den ausgebliebenen Positiv-Effekt führt Jochen Felsenheimer, Fondsmanager bei Assenagon, an: „Das größte Problem gehen die Stresstests schließlich nicht an, nämlich den Zahlungsausfall oder die Umstrukturierung der Schulden eines europäischen Staates.“

Dieses kritische Fazit zur Überprüfung der europäischen Finanzinstitute unter Federführung des Bankenaufseher-Gremiums CEBS wird durch einen aktuellen Bericht des „Wall Street Journal Europe“ untermauert. Das Blatt berichtet auf seiner heutigen Titelseite über „mysteriöse Umschwünge“ einiger Banken bei der Ausweisung ihrer Risikoexpositionen bei Staatsanleihen. So würden jüngste Daten der Institute deutlich andere Expositionen in diesem Segment aufweisen, als noch im Rahmen der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse kommuniziert (vgl. RMRG vom 28.7.). Dies könne zwar teilweise auf andere interne Messmethoden der Banken zurückzuführen sein – jedoch seien die teils massiven Veränderungen damit nicht vollständig erklärbar. Die Zeitung belegt diese Änderungen u.a. an den Beispielen der Royal Bank of Scotland (RBS), der Barclays Bank und der HSBC.

 


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